Aus Guadalajara in Mexiko melden sich PHANTOM mit ihrem dritten Studioalbum „Not Midnight Yet“ zurück. Die Band setzt auf klassischen Speed Metal, traditionellen Heavy Metal und eine deutliche Thrash-Schärfe, verpackt in ein geschlossenes, technisch starkes und atmosphärisch dichtes Gesamtbild.
Über High Roller Records bekommt das Material den passenden Rahmen. „Not Midnight Yet“ steht fest auf einem traditionellen Heavy-Metal-Fundament, erweitert dieses aber um ausgearbeitete Gitarrenführung, wechselnde Tempostufen und eine dunkle Grundstimmung, die sich aus Horror-Motiven, Vampir-Ästhetik, okkulter Symbolik und persönlicher Bedrohung zusammensetzt.
Direkter Einstieg mit hohem Tempo
Der Opener „Hordes Of Bats“ macht sofort deutlich, wohin die Reise geht. PHANTOM arbeiten mit hohem Tempo, präzisem Riffing und einer rauen Gesangsführung, die dem Song sofort Profil gibt. Die Nummer ist schnell, aber nicht unkontrolliert. Vielmehr entsteht der Druck aus sauber gesetzten Gitarren, einer stabilen Rhythmusgruppe und einem Gesang, der sich energisch durch das Material arbeitet.
J.C. García prägt das Album als Sänger, Gitarrist und Songwriter deutlich. Seine Stimme besitzt eine rohe, intensive Färbung, bleibt dabei aber fest in der musikalischen Struktur verankert. Gerade dadurch klingen PHANTOM nicht austauschbar, sondern entwickeln eine eigene Handschrift innerhalb des klassischen Speed-/Thrash-Metal-Spektrums.
Gitarren als treibende Kraft
Mit „Out Of The Mausoleum“ steigert die Band die Wirkung noch einmal. Der Song ist aufgebaut aus einem standfesten Grundbau aus Bass und Gitarre, über dem die Leadgitarren gezielt Akzente setzen. J.C. García und Harel O. agieren als Gitarrenduo sehr effektiv. Die Riffs sind direkt, die Leads sauber platziert, und die rhythmischen Wechsel geben dem Stück zusätzliche Spannung.
Video: PHANTOM – Out Of The Mausoleum
https://www.youtube.com/watch?v=Z7zeNuXAQ70
Auch „Dracula’s Curse“ gehört zu den zentralen Momenten des Albums. Die Vampir-Thematik wird nicht als bloße Kulisse genutzt, sondern musikalisch mit dunkler Atmosphäre, markanten Refrainmomenten und treibendem Heavy-/Speed-Metal-Unterbau verbunden. Der 80er-Einfluss ist deutlich hörbar, wirkt aber nicht wie eine Kopie alter Vorbilder. PHANTOM nutzen diese Basis, um daraus ein eigenes Profil zu formen.
Video: PHANTOM – Dracula’s Curse
https://www.youtube.com/watch?v=GCKY3om0ToM
Technik, Tempo und Dramaturgie
„Morgenstern / Iron Strike“ setzt stärker auf klassisches Riff-Handwerk und treibende Rhythmik. Die Gitarrenlinien sind sorgfältig ausgearbeitet, ohne das Songwriting zu überladen. Die Soli besitzen Feuer, bleiben aber immer fest mit dem Aufbau des Songs verbunden. Gerade hier zeigt sich, dass PHANTOM nicht nur alte Speed-Metal-Formeln bedienen, sondern ihre Songs bewusst strukturieren.
Einer der ambitioniertesten Songs des Albums ist „The Pale Remains Of Time“. Die Band nimmt das Tempo zurück, öffnet den Sound stärker für Melodie und lässt mehr Raum für Atmosphäre. Cleanere Gitarrenpassagen, ausgedehntere Gesangslinien und eine leicht progressive Anlage verleihen dem Album an dieser Stelle zusätzliche Tiefe.
Video: PHANTOM – The Pale Remains Of Time
https://www.youtube.com/watch?v=3t1suttat_8
Rhythmusgruppe mit Druck und Kontrolle
Mit „Summoned To Kill“ ziehen PHANTOM das Energielevel wieder deutlich an. Die Nummer lebt von prägnanten Riffs, aggressiver Gesangsarbeit und einer Rhythmusgruppe, die geschlossen agiert. J.P. Alatorre liefert ein druckvolles Schlagzeugspiel, das Geschwindigkeit und Kontrolle überzeugend verbindet.
Auch Raír Tavizón am Bass verdient Erwähnung. Sein Spiel hält das Album zusammen, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu stellen. Besonders in den dynamischeren und melodischeren Abschnitten sorgt der Bass für Stabilität und gibt den Gitarren zusätzlichen Halt.
Titeltrack als zentraler Punkt
Der Titelsong „Not Midnight Yet“ ist kein reiner Speed-Metal-Abriss, sondern ein strukturierter Song mit mehreren Ebenen. Schnelle Passagen treffen auf Midtempo-Dynamik, die Leadgitarren sind stark ausgearbeitet, und das Arrangement baut bewusst Spannung auf. Die Nummer fasst sehr gut zusammen, was PHANTOM auf diesem Album auszeichnet: klassisches Fundament, technische Weiterentwicklung, hohe Spielfreude und ein klares Gespür für Atmosphäre.
Melodie und dunkle Atmosphäre
„Solomonari“ bringt eine stärker melodische Note in die zweite Albumhälfte. Die Gitarrenharmonien sitzen überzeugend, während die okkulte Färbung des Albums weiter ausgebaut wird. Die atmosphärischen Elemente wirken dabei nicht aufgesetzt, sondern sind sinnvoll in den Gesamtsound integriert.
Mit „Sepulchral Majesty“ folgt eine kompaktere, direktere Nummer, bei der Riffing, Schlagzeugdruck und Gesangsattacke im Vordergrund stehen. „Curse Your Name“ zeigt anschließend eine melodischere und emotionalere Seite der Band. Akustische Elemente, harmonisierte Gitarren und eine stärker ausgearbeitete Gesangsführung sorgen für Abwechslung, ohne den Druck des Albums zu bremsen.
Starker Abschluss
Der kurze instrumentale Übergang „A Trail Full Of Sorrows“ schafft vor dem Finale noch einmal Luft. Mit „Echoes From The Fights“ schließen PHANTOM das Album energisch ab. Der Song bündelt viele Stärken der Platte: schnelles Riffing, saubere Rhythmusarbeit, starke Gitarrenharmonien und eine überzeugende finale Zuspitzung.
Produktion und Sound
Die Produktion passt sehr gut zum Material. „Not Midnight Yet“ klingt roh genug, um den Old-School-Charakter zu bewahren, bleibt aber differenziert genug, damit Riffs, Basslinien, Drums und atmosphärische Details klar wahrnehmbar bleiben. Die Gitarren stehen präsent im Vordergrund, der Bass bildet mit ihnen ein stabiles Fundament, und die Drums treiben das Album mit spürbarem Druck voran.
Ganz ohne kleinere Schwächen bleibt die Platte nicht. Bei zwölf Songs und einer Laufzeit von über 56 Minuten hätten einzelne Passagen etwas straffer ausfallen können. Auch der raue Gesang von J.C. García wird nicht jeden Hörer sofort abholen. Gleichzeitig ist genau diese Eigenständigkeit ein wichtiger Teil der Bandidentität.
Fazit
„Not Midnight Yet“ ist ein starkes, technisch versiertes und atmosphärisch geschlossenes Speed-/Thrash-Metal-Album mit klarer 80er-Basis, starker Gitarrenarbeit und überzeugender Bandperformance. PHANTOM liefern keinen bloßen Retro-Aufguss, sondern ein leidenschaftliches Heavy-Metal-Album mit eigenem Profil.
Anspieltipps
Hordes Of Bats
Out Of The Mausoleum
Dracula’s Curse
The Pale Remains Of Time
Summoned To Kill
Not Midnight Yet
Solomonari
Echoes From The Fights
Tracklist
01. Hordes Of Bats
02. Out Of The Mausoleum
03. Dracula’s Curse
04. Morgenstern / Iron Strike
05. The Pale Remains Of Time
06. Summoned To Kill
07. Not Midnight Yet
08. Solomonari
09. Sepulchral Majesty
10. Curse Your Name
11. A Trail Full Of Sorrows
12. Echoes From The Fights
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