Seit ihrer Gründung im Jahr 1982 gehören Crying Steel zu den frühen Vertretern der italienischen Heavy-Metal-Szene. Auch wenn zwischen ihrem Debütalbum von 1987 und dem Nachfolger ganze zwanzig Jahre lagen, hat die Band ihren Weg unbeirrt fortgesetzt. Mit „Agent Steel“ präsentieren die Italiener nun ihr fünftes Studioalbum – und bleiben ihrer musikalischen DNA treu.
Seit dem letzten Album hat sich personell einiges verändert. Nach dem Tod des langjährigen Sängers Tony Mills (TNT, Siam) übernimmt nun Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli das Mikrofon. Auch Gitarrist JJ Frati gehört nicht mehr zum Line-up. Musikalisch bleibt jedoch vieles beim Alten: Crying Steel setzen weiterhin auf klassischen Heavy Metal mit starken Hardrock-Wurzeln, irgendwo zwischen Saxon, Krokus und einer Prise Hair Metal.
Bereits der Opener „The Arrival“ macht klar, wohin die Reise geht. Druckvolle Gitarrenriffs treffen auf hymnische Refrains und einen Sänger, dessen kraftvolle Stimme stellenweise an einen jungen Biff Byford erinnert, ohne dabei die Songs mit übertriebener Virtuosität zu überladen. Hammerhead überzeugt mit viel Charakter und sorgt dafür, dass die Stücke ihre Energie behalten.
Auch im weiteren Verlauf bietet das Album genau das, was Fans klassischen Heavy Metals erwarten dürfen. „Under Cover“ erinnert mit seinem treibenden Groove an die frühen Achtziger, „To Remember“ kombiniert aggressive Riffs mit melodischen Hooklines und „Coming Home“ gehört zweifellos zu den stärksten Songs des Albums. Hier greifen eingängige Melodien, kraftvolle Gitarren und ein starker Refrain perfekt ineinander.
Zum Finale schlägt die Band mit „No One’s Crying“ noch einmal härtere Töne an. Unterstützung erhält Crying Steel dabei von Ralf Scheepers (Primal Fear), dessen Gastauftritt dem Song zusätzliche Durchschlagskraft verleiht und das Album mit einem echten Höhepunkt abschließt.
Nicht jeder Moment zündet jedoch gleichermaßen. Titel wie „My Heart Steel Rocks“ oder „Queen of Grinder“ wirken textlich etwas unbeholfen und bewegen sich stellenweise hart an der Grenze zum unfreiwilligen Kult. Dennoch gehört genau diese sympathische Portion Achtziger-Charme irgendwie zum Gesamtbild der Band.
Mit einer Spielzeit von rund 41 Minuten bleibt „Agent Steel“ angenehm kompakt. Die Songs kommen schnell auf den Punkt, bieten zahlreiche eingängige Refrains und machen das Album zu einer kurzweiligen Reise durch die Welt des klassischen Heavy Metal.
Fazit:
Crying Steel erfinden das Genre nicht neu – das wollen sie auch gar nicht. Stattdessen liefern sie ehrlichen, riffbetonten Heavy Metal mit viel Herzblut, starken Melodien und einer gehörigen Portion Old-School-Feeling. Wer Bands wie Saxon, Krokus, Primal Fear oder klassischen Achtziger-Metal liebt, wird mit „Agent Steel“ seine Freude haben.
Metalheads World Wertung: 8,5/10
