Kaum ein Thema sorgt unter Musikfans derzeit für so viele Diskussionen wie die Preise neuer Vinylplatten. 35, 40 oder sogar 50 Euro für ein neues Album? Für viele Sammler ist das mittlerweile zur Normalität geworden. Schnell fällt dann der Satz: „Früher hat eine LP doch nur 20 Mark gekostet.“
Doch ganz so einfach ist der Vergleich nicht.
In Deutschland kostete eine neue Schallplatte Anfang der 1980er Jahre meist zwischen 16 und 20 D-Mark. Mitte des Jahrzehnts lagen die Preise häufig bereits zwischen 18 und 25 D-Mark, während man Ende der 1980er für viele Neuerscheinungen 22 bis 30 D-Mark bezahlen musste. Importplatten oder Doppelalben kosteten nicht selten sogar 30 bis 40 D-Mark.
Viele Metalheads erinnern sich noch gut daran, für neue Alben von Iron Maiden, Judas Priest, Accept, Scorpions oder Helloween meist 19,80 bis 24,80 D-Mark auf den Ladentisch gelegt zu haben.
Der entscheidende Punkt ist jedoch die Kaufkraft. Rechnet man die damaligen Preise auf heutige Verhältnisse um, entsprechen 20 D-Mark heute ungefähr 20 bis 25 Euro, während 25 D-Mark einer heutigen Kaufkraft von etwa 25 bis 30 Euro entsprechen.
Plötzlich wirken die heutigen Vinylpreise deutlich weniger außergewöhnlich. Natürlich kosten viele aktuelle Veröffentlichungen inzwischen mehr als 30 Euro, insbesondere limitierte Editionen, farbiges Vinyl oder aufwendig gestaltete Doppel-LPs. Der Unterschied zu früher ist jedoch oft kleiner, als viele vermuten.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: In den 1980er Jahren waren Schallplatten das wichtigste Musikformat. Sie wurden in riesigen Stückzahlen produziert, was die Herstellungskosten pro Exemplar senkte. Heute ist Vinyl zwar wieder beliebt, erreicht aber längst nicht die Produktionsmengen von damals. Gleichzeitig sind Energie-, Material-, Transport- und Personalkosten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen.
Wer in den 1980ern als Jugendlicher jede Woche ein neues Album kaufen wollte, musste ebenfalls sparen. Für viele von uns war der Besuch im Plattenladen ein echtes Ereignis. Man überlegte genau, welches Album mit nach Hause durfte, denn Fehlkäufe konnte man sich kaum leisten. Genau das machte den Moment, wenn man die Folie entfernte und die Nadel zum ersten Mal aufsetzte, so besonders.
Vielleicht sollten wir uns deshalb nicht nur über die Preise von heute ärgern, sondern auch daran erinnern, welchen Stellenwert eine neue LP damals hatte. Denn eines hat sich über all die Jahrzehnte nicht verändert: Ein großartiges Album auf Vinyl ist für viele Metalheads bis heute weit mehr als nur Musik – es ist ein Stück Leidenschaft.