JON BON JOVI: WARUM SO VIELE JETZT FALSCH REAGIEREN
Der schlimmste Albtraum eines jeden Sängers ist Realität geworden.
Bei seiner achten von neun umjubelten Comeback-Shows im Madison Square Garden in New York musste Jon Bon Jovi das Konzert nach 14 Songs abbrechen. Ausgerechnet bei seinem größten Hit Livin On A Prayer versagte ihm die Stimme. Er holte Hilfe mit Pat Monahan auf die Bühne, kämpfte sich noch durch den Song und entschuldigte sich anschließend mehrfach beim Publikum. Der Grund: eine Sinusinfektion.
Ich muss ehrlich sagen: Mir tut das unheimlich leid.
Nach über 3.600 Konzerten, die ich selbst gesungen habe, weiß ich genau, wie sich so ein Moment anfühlt. Du willst weitermachen, aber deine Stimme sagt einfach Nein. Viele Menschen verstehen nicht, dass Stimmbänder keine Gitarrensaiten sind. Reißt eine Saite, wird sie gewechselt. Eine Stimme lässt sich nicht einfach austauschen.
Was ich mich allerdings frage: Warum musste Jon sich gleich wieder Shows von zweieinhalb Stunden auferlegen?
Die ersten sieben Konzerte haben gezeigt, dass sein Comeback funktioniert. Natürlich singt er heute einige Songs tiefer als früher, aber Titel wie Always oder I’ll Be There For You klangen meiner Meinung nach hervorragend. Er hatte bewiesen, dass er zurück ist.
Vielleicht wären 90 Minuten oder zwei Stunden zunächst die bessere Entscheidung gewesen. Niemand weiß, ob es dadurch anders gekommen wäre. Aber nach seiner schweren Stimmbandoperation und vier Jahren harter Arbeit wäre etwas mehr Vorsicht vielleicht sinnvoll gewesen.
Was mich allerdings am meisten ärgert, sind die Kommentare in den sozialen Medien.
„Er soll aufhören.“
„Er kann nicht mehr singen.“
„Pack ein.“
Ganz ehrlich? Diese Urteile kommen oft von Menschen, die selbst nie auf einer Bühne gestanden haben.
Jon Bon Jovi ist ein Vollprofi. Hinter ihm steht eine Band mit großartigen Musikern wie David Bryan, Tico Torres, Hugh McDonald und Phil X. Da hängen nicht nur Konzerte dran, sondern auch Arbeitsplätze, Verantwortung und jahrzehntelange Freundschaften.
Ich finde, Jon hat genau das Richtige getan.
Anstatt sich mit letzter Kraft durch weitere Songs zu quälen und möglicherweise noch größeren Schaden anzurichten, hat er die Reißleine gezogen. Hätte er weitergesungen und dabei hörbar gelitten, wären die sozialen Medien vermutlich noch gnadenloser gewesen.
Man sollte nicht vergessen, was dieser Mann geleistet hat.
Über 40 Jahre Weltkarriere, unzählige Hits, Millionen verkaufte Alben und Generationen von Fans. Niemand sollte wegen eines einzigen Abends so behandelt werden, als wäre plötzlich alles vergessen.
Jon Bon Jovi ist kein Superman.
Er ist ein Mensch. Und manchmal gewinnt eben nicht der Wille, sondern der Körper.
Wie seht ihr das? Hat Jon Bon Jovi richtig gehandelt oder hätte er das Konzert durchziehen sollen?