@ Komplex Klub, Zürich
2. August 2026
TEXT & FOTOS: IVY WOLFISBERG
Nachdem aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Waldbrandgefahr die privaten Feuerwerke verboten waren, durften die Thrash Metal-Fans einen Tag nach dem Schweizer Nationalfeiertag ein Feuerwerk der Extraklasse im kleinen Komplex Klub in Zürich erleben.
Die altgedienten Bay Area-Thrasher Death Angel machten Montag Abend keine Kompromisse und liessen die Wände des abbruchgeweihten Komplexgebäude derart erschüttern, dass man fast das Gefühl erhielt, die Abbruchmaschinen hätten schon verfrüht damit begonnen, das Gebäude bis auf das Fundament niederzumachen. Holy Cow!
Thrash Metal an einem Sonntagabend in Zürich, geht das? Oh ja, das funktionierte gestern sehr gut, denn der kleine Komplex Klub war sehr gut gefüllt, als ich die Treppe hinunter in die „höllischen“ Katakomben des alten Gebäudes trat. Natürlich traf ich wieder einige Kumpels an, so ich dass neben dem Konzert einer meiner «dienstältesten» Lieblings-Thrashbands auch so noch tolle Begegnungen hatte. Und ich wurde natürlich von einem Grenats-Fan noch darauf hingewiesen wurde, dass meine Lieblings-Fussballmannschaft ein paar Dutzend Meter neben dem Komplex Klub grad noch den Hintern versohlt bekam, denn der Match war ein paar Minuten vor Türöffnung des Komplex-Klubs beendet. 1:4 der Grasshoppers gegen den FC Lugano, da war eine richtige Tracht Old School Thrash Metal grad richtig, dass schlechte Resultat durch die Hirnwindungen ins Archiv des Vergessens zu Schütteln.
Zunächst wurden die Fans vom Basler Abbruch-Kommando «Total Annihilation» aufgewärmt. Wobei, es war schon zu Beginn höllisch warm im Club, so dass die geschüttelten langen Haare des Nebenmanns ja schon wieder ein angenehmeres Lüftchen rüberwehten. Nun, obwohl die musikalische Prügelei im Hochtempo der Vorgruppe nicht so ganz meins war, muss ich sagen, die Jungs konnten die Metalfans aus den Reserven wecken und die Thrash-Party mit einem kleinen Ausrufezeichen eröffnen. An der Leadgitarre war übrigens Jonas Schmid von Commaniac, der seinen Jungs mit seinen Riffs einen gewaltigen Schub in den Popo gab. Cooles Konzert.
Nach einem kurzen Luftschnappen an der warmen Zürcher Aussenluft mit leichten Hamburger-Bratgeruch (eine der grossen amerikanischen Burgerketten hat grad ein Bruzzelbeizli in der Nähe des Komplex) durften wir wieder runter in «Satan’s Stübli», nein, in den heissen Komplex Klub, denn die kalifornische Thrash-Legende Death Angel kam nun auf die Bühne. «The Moth» und «Hatred United/United Hate» eröffneten das achzigminütige Set von Death Angel und bereits in diesen ersten musikalischen Momenten merkte man, heute wird die Nackenmuskulatur inflationär beansprucht. Aber in Anbetracht meiner dieswöchigen Konzertplanung musste ich doch haushälterisch mit den Kopfbewegungen umgehen, denn Savatage, Saxon und Rose Tattoo geben sich in der Schweiz noch gleich die Türklinke in die Hand, das heisst, in dieser Woche ist die Schweiz so quasi etwas wie der Garten Eden des Metals. Zumindest für den konzertaffinen Metalfan.
Heilanddonner, Death Angel liessen keine Kompromisse zu und legten fast das ganze Komplex-Gebäude in Schutt und Asche. Bezeichnet mich bitte nicht als den «Father of Lies» wegen dieser Aussage, denn gestern hiess es beinahe «Let The Pieces Fall» im Komplex . Ja, die gutgelaunten Musiker konnten ihre Stimmung auf die Fans übertragen und die Fans dankten es mit lautem Applaus und tollem Mitmachen. «The Dream Calls For Blood» war eine Granate und wir fühlten «Seemingly Endless Time”, aber eben irgendwann würde wohl der «Son of the Morning» rufen. Aber ja, ich war dann noch «Lost», als Death Angel ihn, einer meiner Lieblingssongs der Kalifornier, spielten.
Am Ende gab es noch die Thrashgranate per excellence und mit dem achtminütigen «Thrown To The Wolves» wurden noch die allerletzten Energiereserven der Fans in den vordersten Reihen abgerufen. Der Flüssigkeitshaushalt musste natürlich nach dem Konzert wieder in den grünen Bereich gebracht werden. Die Decke des Klubs sorgte für ihre eigene Hydration, denn aufgrund des heissen und energiegeladenen Konzerts von Death Angel bildeten sich schon kleine Hydration-Bölleli, die runter zu tropfen drohten.
Ja, das war eine geile Thrashparty gestern im Komplex Klub. Und, wie war das Resultat der Grasshoppers schon wieder?




