Am 12. August 2026 geschah in Wantagh, New York, etwas, mit dem wohl kaum noch ein Deep Purple Fan ernsthaft gerechnet hatte: Ritchie Blackmore stand erstmals seit 1993 wieder gemeinsam mit Deep Purple auf einer Bühne. Und natürlich spielten sie Smoke on the Water. Für mich war dieser Moment weit mehr als eine Reunion für einen Song.
Es gibt Momente in der Rockgeschichte, bei denen die musikalische Perfektion plötzlich völlig nebensächlich wird.
Dieser war einer davon.
Ritchie Blackmore stand am 12. August 2026 im Northwell at Jones Beach Theater in Wantagh, New York, wieder mit Deep Purple auf der Bühne. Zum ersten Mal seit 33 Jahren. Gemeinsam spielten sie Smoke on the Water, jenen Song, dessen Riff zu den bekanntesten der gesamten Rockgeschichte gehört.
Noch kurz zuvor klang die ganze Geschichte beinahe unglaublich. Erst wurde über einen möglichen Auftritt gesprochen, dann bestätigte Blackmore selbst während eines Livestreams mit seiner Frau Candice Night, dass er Deep Purple bei der Zugabe unterstützen wolle.
Und sofort begannen natürlich die Diskussionen: Wird er wirklich kommen? Was werden sie spielen? Wie wird das Zusammentreffen mit Ian Gillan aussehen?
Jetzt kennen wir die Antwort.
Smoke on the Water – welcher Song sonst?
Natürlich war es Smoke on the Water.
Man hätte vermutlich keinen symbolträchtigeren Titel auswählen können. Der Song stammt vom 1972 veröffentlichten Album Machine Head und wurde von der legendären Mark-II-Besetzung mit Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice eingespielt.
Doch als ich das Video dieses Auftritts gesehen habe, dachte ich nicht zuerst an das berühmte Riff.
Ich dachte an den 14. Oktober 1993.
An diesem Abend stand ich in der ersten Reihe der Münchner Olympiahalle. Deep Purple waren auf ihrer The Battle Rages On Tour unterwegs, und eines konnte man damals auch als Zuschauer nicht übersehen: Zwischen Ian Gillan und Ritchie Blackmore herrschte eine eisige Atmosphäre.
Ich erinnere mich noch genau daran. Die beiden würdigten sich während des Konzertes praktisch keines Blickes. Da war keine sichtbare Wärme, kein gemeinsames Lachen, nichts, was den Eindruck vermittelt hätte, dass hier zwei Männer auf der Bühne standen, die noch lange gemeinsam Musik machen würden.
Nur wenige Wochen später war Blackmores Zeit bei Deep Purple endgültig vorbei.
Und plötzlich sehe ich diese beiden Männer wieder zusammen
33 Jahre später sehe ich Ian Gillan und Ritchie Blackmore wieder auf derselben Bühne.
Und genau das hat mich berührt.
Sie scherzen miteinander, sie necken sich, und plötzlich sieht man zwei alte Weggefährten, deren gemeinsame Geschichte eben nicht nur aus Streit besteht.
Das tat mir in der Seele gut.
Denn für mich geht es bei diesem Auftritt überhaupt nicht darum, Ritchie Blackmores heutige spielerischen Fähigkeiten mit denen eines Ritchie Blackmore aus den Siebzigern, Achtzigern oder frühen Neunzigern zu vergleichen.
Der Mann ist 81 Jahre alt.
Hier geht es nicht darum, jede Note seines Solos zu analysieren oder darüber zu diskutieren, ob er heute noch genauso spielt wie vor 40 Jahren.
Darum geht es überhaupt nicht.
Für mich geht es um zwei Männer, die jahrzehntelang eine der kompliziertesten Beziehungen der Rockgeschichte miteinander hatten und nun, im hohen Alter, noch einmal gemeinsam auf einer Bühne stehen.
Vielleicht haben sie sich dort nicht feierlich die Hand gereicht und öffentlich erklärt, dass alle alten Geschichten vergessen sind.
Das mussten sie auch nicht.
Die Bilder sagen für mich genug.
Was wäre die Rockgeschichte ohne diese fünf Männer?
Was wäre meine eigene musikalische Geschichte ohne Deep Purple?
Und was wäre die Geschichte des Hardrock ohne Songs wie Child in Time, Highway Star, Speed King, Black Night oder Smoke on the Water?
Für mich persönlich war und bleibt Deep Purple Mark II die definitive Besetzung dieser Band:
Ian Gillan.
Ritchie Blackmore.
Roger Glover.
Jon Lord.
Ian Paice.
Diese fünf Musiker haben gemeinsam Musik geschaffen, die Generationen überlebt hat.
Deshalb fiel es mir persönlich nach Blackmores Ausstieg auch schwer, mich mit den folgenden Versionen von Deep Purple anzufreunden. Joe Satriani übernahm zunächst live, später begann mit Steve Morse ein vollkommen neues und über viele Jahre äußerst erfolgreiches Kapitel der Bandgeschichte.
Ich weiß, dass Steve Morse sehr viele Fans hat, und das völlig zu Recht.
Aber für mich persönlich funktionierte Deep Purple ohne Blackmore lange nicht mehr auf dieselbe Weise.
Das ist keine Bewertung der Fähigkeiten von Steve Morse. Es ist schlicht meine persönliche Verbindung zu dieser Band.
Bei Simon McBride empfinde ich es inzwischen anders. Er bringt für mich noch einmal frischen Wind in Deep Purple und schafft es, die Vergangenheit der Band zu respektieren, ohne einfach Ritchie Blackmore kopieren zu wollen.
Aber Blackmore bleibt Blackmore.
For old times sake
Besonders schön finde ich deshalb, dass die Initiative offenbar von Ritchie Blackmore selbst ausging. Bereits vor dem Konzert hatte er deutlich gemacht, dass es sich um einen besonderen Gastauftritt handeln sollte. Seine Worte dazu waren wunderbar passend:
For old times sake.
Genau das war dieser Abend für mich.
Keine große Reunion-Tour.
Kein Marketingversprechen für die nächsten Jahre.
Keine Rückkehr Blackmores zu Deep Purple.
Sondern ein Moment.
Und vielleicht ist genau deshalb dieser eine Song so wertvoll.
Wer jetzt bereits darüber spekuliert, dass Ritchie Blackmore dauerhaft zu Deep Purple zurückkehren könnte, sollte seine Erwartungen entsprechend einordnen. Angekündigt war ein besonderer Gastauftritt bei einem Konzert – und genau dieser fand statt.
Mehr braucht es für mich auch nicht.
Ein Mann fehlte
Bei aller Freude gibt es natürlich einen Gedanken, den man bei diesen Bildern kaum verdrängen kann.
Jon Lord.
Wie unglaublich wäre es gewesen, wenn auch er noch einmal an seiner Hammond hätte sitzen können?
Dann wären diese fünf Männer tatsächlich noch einmal gemeinsam dort gestanden.
Das ist nicht mehr möglich.
Vielleicht macht gerade das diesen Moment zusätzlich emotional. Vier Mitglieder der klassischen Mark-II-Besetzung sind noch da. Und nach 33 Jahren standen Blackmore, Gillan, Glover und Paice tatsächlich wieder gemeinsam auf einer Bühne.
Danke Deep Purple
Ich weiß nicht, wie andere Fans diesen Auftritt empfunden haben.
Ich kann nur sagen, was er mit mir gemacht hat.
Für einen Moment war ich wieder der Typ, der am 14. Oktober 1993 in der ersten Reihe der Olympiahalle München stand und eine seiner absoluten Lieblingsbands beobachtete.
Damals sah ich zwei Männer, die offenbar kaum noch miteinander konnten.
33 Jahre später sehe ich dieselben beiden Männer miteinander lachen und gemeinsam Smoke on the Water spielen.
Der Kreis hat sich für mich geschlossen.
Vielleicht war es musikalisch nicht das beste Smoke on the Water, das Deep Purple jemals gespielt haben.
Das spielt keine Rolle.
Denn manche Momente kann man nicht in perfekten Noten messen.
Danke Ritchie Blackmore.
Danke Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice.
Danke Deep Purple.
Danke für Child in Time. Danke für Highway Star. Danke für Speed King. Danke für Smoke on the Water. Und danke für all die Musik, die mich und Millionen andere Menschen durch unser Leben begleitet hat.
Und vor allem:
Danke für diesen einen Abend, von dem viele von uns geglaubt hatten, dass wir ihn niemals erleben würden.



Ich hab mir heute morgen das Video auf YouTube gegeben… sehr nostalgisch und emotional, zumal bekannt ist, daß Ritchie Blackmore ein großer Egozentriker ist. Gerade aus dem Grund ist es zwefelhaft, obe es nochmal DEEP PURPLE mit RB geben wird. Wenns doch soweit kommt, wäre das ein großes Ding für die Nachwelt.