BIOHAZARD wollten auf ihrem Comeback-Album „Divided We Fall“ offenbar gar nicht erst versuchen, ihre eigene Vergangenheit hinter sich zu lassen. Im Gegenteil: Bassist und Sänger Evan Seinfeld erklärt, dass Produzent Matt Hyde die New Yorker ausdrücklich dazu ermutigte, genau das zu machen, wofür BIOHAZARD stehen.
Wenn eine einflussreiche Band nach vielen Jahren mit ihrer klassischen Besetzung zurückkehrt, stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Soll sie sich neu erfinden – oder genau den Sound liefern, für den die Fans sie lieben?
Bei BIOHAZARD fiel die Entscheidung ziemlich eindeutig aus.
Im Gespräch mit Remzi „Jam Man“ Yates von „Rocking With Jam Man“ sprach Evan Seinfeld über die Entstehung des am 17. Oktober 2025 über BLKIIBLK veröffentlichten Albums „Divided We Fall“. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass die Band bewusst auf ihre eigenen musikalischen Wurzeln zurückgriff.
„Ihr seid verdammt noch mal Biohazard“
Seinfeld zufolge hatte er sich zunächst durchaus Gedanken darüber gemacht, wie BIOHAZARD nach ihrer Reunion musikalisch weitermachen sollten. Nach einer so langen Pause bestand offenbar die Versuchung, mit dem neuen Album einen großen Entwicklungsschritt präsentieren zu müssen.
Produzent Matt Hyde sah die Sache wesentlich einfacher.
Sinngemäß habe Hyde der Band klargemacht: Ihr seid BIOHAZARD – also nehmt ein BIOHAZARD-Album auf, das nach BIOHAZARD klingt und den BIOHAZARD-Fans gefällt.
Diese Ansage scheint bei Seinfeld einen Schalter umgelegt zu haben.
Auf die Frage, ob während der Aufnahmen jemals jemand angemerkt habe, eine Idee klinge zu stark nach älterem Material der Band, antwortete Seinfeld ausdrücklich mit Nein. Vielmehr hätten sie sich ganz bewusst selbst kopiert.
Hyde habe ihnen dabei auch Bands wie AC/DC und The Rolling Stones als Beispiele genannt: Gruppen mit einer klar definierten musikalischen Identität, die nicht bei jedem Album versuchen müssen, ihre eigene DNA neu zu erfinden.
Die Tour brachte den alten BIOHAZARD-Spirit zurück
Ein wichtiger Faktor war laut Seinfeld die intensive Live-Phase vor den Aufnahmen.
Nach ihrer Wiedervereinigung hatte die Band zahlreiche Shows gespielt. Dabei konzentrierte sich die Originalbesetzung auf Material der ersten drei Alben und damit auf jene Phase, die zwischen 1987 und 1994 entstand.
BIOHAZARD bewegten sich dadurch über längere Zeit permanent in ihrem klassischen musikalischen Kosmos.
Seinfeld berichtete von rund 150 Shows weltweit, darunter Auftritte in Europa, Südamerika und den USA. Dabei standen BIOHAZARD in unterschiedlichsten Konstellationen auf den Bühnen – von Tourneen beziehungsweise großen Veranstaltungen mit Namen wie Megadeth, Iron Maiden und Metallica bis hin zu Hardcore-Shows mit Agnostic Front und Cro-Mags.
Diese intensive Beschäftigung mit den frühen Songs hatte offenbar unmittelbaren Einfluss darauf, wie sich die Band anschließend im Studio bewegte.
Statt künstlich nach einem modernen BIOHAZARD-Sound zu suchen, griffen die Musiker auf jene Elemente zurück, die ihre Identität ursprünglich geprägt hatten.
Kein Versuch, jemand anderes zu sein
Der Ansatz passt zu früheren Aussagen rund um „Divided We Fall“. Bereits Anfang 2026 hatte Seinfeld über die bewusste Rückbesinnung der Band gesprochen und dabei deutlich gemacht, dass BIOHAZARD nicht versuchen müssten, wie eine jüngere moderne Metal-Band zu klingen.
Der entscheidende Gedanke dahinter ist bemerkenswert simpel:
Warum sollte eine Band, die einen eigenen Stil mitgeprägt hat, vor genau diesem Stil davonlaufen?
„Divided We Fall“ wurde von Matt Hyde produziert, gemischt und gemastert. Hyde hat in seiner Karriere unter anderem mit Slayer, Hatebreed und Deftones gearbeitet. Aufgenommen wurde in den Shorefire Recording Studios in Long Branch, New Jersey, sowie in Hydes The Hydeaway in Van Nuys, Kalifornien.
Zur Besetzung gehören Evan Seinfeld an Bass und Gesang, Billy Graziadei an Gitarre und Gesang, Bobby Hambel an der Leadgitarre sowie Danny Schuler am Schlagzeug.
Genau diese vier Musiker hatten sich 2023 wieder zusammengefunden.
Das erste Album seit 13 Jahren
Die Bedeutung von „Divided We Fall“ geht damit weit über eine gewöhnliche Albumveröffentlichung hinaus.
Es war das erste neue BIOHAZARD-Studioalbum seit „Reborn In Defiance“ von 2012 und gleichzeitig die Rückkehr der klassischen Besetzung auf ein gemeinsames Studioalbum.
„Divided We Fall“ umfasst elf Songs bei einer Spielzeit von rund 38 Minuten:
- F**k The System
- Forsaken
- Eyes On Six
- Death Of Me
- Word To The Wise
- Fight To Be Free
- War Inside Me
- S.I.T.F.O.A.
- Tear Down The Walls
- I Will Overcome
- Warriors
Nach Veröffentlichung des Albums folgte im Herbst 2025 eine 23 Termine umfassende Nordamerika-Tour, bei der unter anderem Onyx, Bayway und Swollen Teeth als Support genannt wurden. Am 28. Oktober stand für BIOHAZARD zudem ein Heimspiel im Warsaw in Brooklyn auf dem Programm.
Manchmal muss eine Band das Rad eben nicht neu erfinden
Seinfeld selbst geht mit dem Ergebnis ausgesprochen selbstbewusst um. Nach seiner Darstellung führte gerade die Entscheidung, die eigene Vergangenheit nicht zu verleugnen, zum gewünschten Resultat. Er bezeichnet „Divided We Fall“ sogar als das beste BIOHAZARD-Album seit 35 Jahren.
Ob die Fans diese Einschätzung teilen, bleibt natürlich Geschmackssache.
Interessant ist jedoch die Philosophie dahinter. Während von etablierten Bands regelmäßig verlangt wird, sich weiterzuentwickeln, gleichzeitig aber bloß nicht zu weit von ihrem klassischen Sound abzuweichen, haben BIOHAZARD für sich offenbar eine ziemlich einfache Antwort gefunden:
Sie wollten wieder BIOHAZARD sein. Nicht moderner, nicht trendiger und nicht jemand anderes.
Und manchmal ist genau das die konsequenteste Form einer Rückkehr.
