Australiens Rock n Roll Abrisskommando braucht keine Neuerfindung. Auf ihrem sechsten Studioalbum machen AIRBOURNE genau das, was sie seit mehr als zwei Jahrzehnten auszeichnet – nur diesmal mit größerer Produktion, zwölf Songs und einer ungebrochenen Leidenschaft für laute Gitarren.
Fakten
Band: Airbourne
Album: Airbourne
Genre: Hard Rock / Rock n Roll
Veröffentlichung: 4. September 2026
Label: Spinefarm Records
Studioalbum: Nr. 6
Tracks: 12
Eine Sache muss vorweg geklärt werden: Auf der offiziellen AIRBOURNE-Seite existiert noch eine ältere Meldung, die den 28. August als Veröffentlichungstermin nennt. Die aktuelle Startseite der Band führt inzwischen jedoch ausdrücklich den 4. September 2026 als Release-Datum. Für diese Review verwenden wir deshalb den aktuell von der Band angegebenen Termin.
REVIEW
Manchmal liegt die größte Stärke einer Band darin, ganz genau zu wissen, was sie nicht verändern muss.
AIRBOURNE sind dafür ein Paradebeispiel. Wer von den Australiern nach über 20 Jahren plötzlich Experimente, elektronische Ausflüge oder eine radikale Neuerfindung erwartet, hat vermutlich die falsche Band eingeschaltet. Das sechste Studioalbum trägt schlicht den Namen „Airbourne“ – und nach zwölf Songs erscheint diese Entscheidung beinahe programmatisch.
Das hier soll AIRBOURNE in konzentrierter Form sein.
Mit „Gutsy“ wird nicht lange angeklopft. Der Opener stellt sofort klar, in welchem Revier wir uns bewegen: geradliniger australischer Hard Rock, ein großer Refrain und genügend Energie, um den Song bereits beim ersten Durchlauf gedanklich auf einer Festivalbühne zu sehen.
„Alive After Death (Last Plane Out)“ besitzt dagegen einen ernsteren Kern. AIRBOURNE haben erklärt, dass der Song von der Vorstellung getragen wird, dass verstorbene Rock n Roll Helden durch ihre Musik weiterleben. Besonders deutlich wird dieser Gedanke durch einen offenen Brief von Joel O Keeffe an Lemmy, in dem er auch an einen Rat des MOTÖRHEAD-Frontmanns erinnert: AIRBOURNE sollten sich selbst treu bleiben.
Bei „Here She Comes“ wird die Produktion größer. Für das Album arbeiteten AIRBOURNE unter anderem mit Mutt Lange und Bryan Adams als Songwriting-Partnern zusammen. Laut Joel O Keeffe entstanden mehrere gemeinsame Songs, von denen es einige schließlich auf das Album schafften.
„Kid In A Candy Store“ schaltet anschließend wieder deutlich stärker auf schmutzigen Rock n Roll. Der Song lebt von genau jener unbekümmerten Attitüde, die AIRBOURNE seit ihren Anfangstagen begleitet.
Mit „Sky High“ bleibt die Band auf direktem Kurs, bevor „Who Put The Rhythm In You?“ etwas mehr Bewegung in die Platte bringt. Das Grundgerüst bleibt unverkennbar AIRBOURNE, doch innerhalb dieses bewusst eng gesteckten Rahmens zeigt sich, dass die Australier durchaus Variationen zulassen können, ohne ihre Identität aufzugeben.
Und dann wäre da „Christmas Bonus“. Bereits der Titel macht deutlich, dass hier niemand versucht, einen besinnlichen Weihnachtsklassiker für das Familienessen zu schreiben. AIRBOURNE behandeln Weihnachten so, wie AIRBOURNE vermutlich alles behandeln würden: mit Verstärkern.
„Last Man Standing“ trägt wiederum jene trotzige Haltung in sich, die zu dieser Band passt. Weitermachen, Verstärker aufdrehen und sich nicht unterkriegen lassen – komplizierter muss Rock n Roll manchmal tatsächlich nicht sein.
Spätestens „Rock N Roll Ya“ könnte kaum eindeutiger benannt sein. AIRBOURNE wissen, wer sie sind. Und sie machen keinerlei Anstalten, einer aktuellen musikalischen Mode hinterherzulaufen.
„Bogotá“ bringt anschließend das Leben auf der Straße ins Spiel, bevor „Hells Got No Vacancy“ noch einmal die härtere Seite des Albums hervorholt.
Das Finale gehört „Send Me To Rock N Roll Heaven“. Hier richtet sich der Blick auf verstorbene Größen der Rockgeschichte. Statt daraus einen schwermütigen Abschluss zu machen, feiern AIRBOURNE ihre Helden auf die Art, die zu ihnen passt: mit Rock n Roll.
Und genau an diesem Punkt versteht man endgültig, warum dieses Album einfach „Airbourne“ heißt.
DIE PRODUKTION
Interessant wird das Album besonders hinter den Kulissen. AIRBOURNE nahmen unter anderem in den Music Farm Studios in Australien auf. Zum Einsatz kam dort laut Band die originale Neve-Konsole aus Albert Studios 1, einem Studio, dessen Geschichte mit Namen wie AC/DC, Rose Tattoo und The Angels verbunden ist.
Später kehrte die Band in die Hothouse Studios in Melbourne zurück, wo AIRBOURNE bereits ihre erste EP aufgenommen hatten. Dort befindet sich wiederum die Neve-Konsole aus Albert Studios 2. Joel O Keeffe beschreibt außerdem die Zusammenarbeit mit Brian Howes, Mike Fraser, Karl Dicaire und Craig Harnath während der Aufnahmen. Zakk Cervini übernahm schließlich den Mix, Ted Jensen das Mastering.
Dieser Aufwand hat AIRBOURNE nicht in eine andere Band verwandelt. Vielmehr wurde versucht, genau das größer und druckvoller einzufangen, was ohnehin vorhanden war.
TRACKLIST
- Gutsy
- Alive After Death (Last Plane Out)
- Here She Comes
- Kid In A Candy Store
- Sky High
- Who Put The Rhythm In You?
- Christmas Bonus
- Last Man Standing
- Rock N Roll Ya
- Bogotá
- Hells Got No Vacancy
- Send Me To Rock N Roll Heaven
FAZIT
AIRBOURNE erfinden auf ihrem sechsten Album weder sich selbst noch den Hard Rock neu.
Und genau das ist seine Stärke.
„Airbourne“ wirkt vielmehr wie eine Standortbestimmung nach über zwei Jahrzehnten Bandgeschichte. Die Produktion ist größer, die Liste der Beteiligten beeindruckender und der Aufwand erheblich – doch im Zentrum stehen weiterhin Gitarren, Schlagzeug, große Refrains und diese typisch australische Rock n Roll Direktheit.
Wer AIRBOURNE bisher für zu geradlinig hielt, wird durch dieses Album kaum bekehrt werden. Wer dagegen genau diese kompromisslose Haltung liebt, bekommt zwölf Songs einer Band, die keinerlei Interesse daran zeigt, jemand anderes zu sein.
Vielleicht ist „Airbourne“ deshalb tatsächlich der passendste Albumtitel ihrer Karriere.
Bewertung: 10/10
