VERGESSENE DEUTSCHE MELODIC-HARD-ROCK-PERLE MIT KULTPOTENZIAL
Irgendwann in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre las ich erstmals eine Vorstellung der deutschen Band TRANS AM in irgendeiner Musikzeitschrift. Damals schenkte ich der Band allerdings kaum größere Aufmerksamkeit — einzig der Name blieb irgendwo im Hinterkopf hängen. Erst viele Jahre später, vermutlich Anfang der 2000er, hörte ich zufällig einen Song dieser Truppe und war sofort angefixt.
Von da an begann eine lange und teilweise frustrierende Suche nach dem Album „Fasten Seatbelts“. Erst Mitte der 2010er Jahre gelang es mir endlich, eine gebrauchte CD zu einem halbwegs vernünftigen Preis aufzutreiben. Und eines kann ich heute mit voller Überzeugung sagen: TRANS AM bekamen niemals die Aufmerksamkeit und Spielzeit, die sie mit diesem Album eigentlich verdient hätten. Die Band stand — und steht bis heute — völlig zu Unrecht im Schatten der bekannteren deutschen Hard-Rock-Acts jener Zeit.
Zur Band gehörten damals Sänger Klaus Opree, die beiden Gitarristen Ronny Von Assel und Schumi Schumann, Bassist Chris Hopps sowie Schlagzeuger Charly Schell. Namen, die vermutlich 90 Prozent der heutigen Rockfans nichts sagen dürften. Auch für mich waren sie lange völlig unbekannt — bis „Fasten Seatbelts“ den Weg in meine Sammlung fand. Seitdem gehören TRANS AM für mich ganz klar zu meinen persönlichen All Time Faves.
Die aus Bonn und Umgebung stammenden Rocker lieferten 1989 einen regelrechten Ritt auf der Kanonenkugel ab und legten ein Album vor, von dem viele Bands nur träumen konnten. Klaus Opree besitzt eine kräftige Stimme mit ordentlich Rauch und Dreck in der Kehle, wodurch er den Songs ein ganz eigenes Feeling verleiht. Die beiden Gitarren feuern ihre Riffsalven ab, als gäbe es kein Morgen mehr, während der Bass offensiv dagegenhält und sich als absolut ebenbürtiger Gegenspieler präsentiert.
Die Drums treiben die Songs druckvoll nach vorne, ohne sich dabei jemals unnötig in den Vordergrund zu drängen. Dazu kommt diese herrlich typische 80er-Jahre-Produktion mit warmem Analog-Sound, die sofort nostalgische Bilder von verrauchten Rockkneipen, alten Marshall-Türmen und endlosen Nächten in Rockdiscos entstehen lässt.
TRANS AM spielen genau diese spezielle Art von Melodic Hard Rock, wie sie Ende der 80er besonders in Deutschland Hochkonjunktur hatte — mit deutlich mehr Hard-Rock-Anteil, aber trotzdem immer melodisch und eingängig. Die Songs leben von starken Hooks, großartigen Melodien und genau der richtigen Portion Härte.
Vergleichen kann man TRANS AM problemlos mit Bands wie Kingdom, Domain, Bonfire, Trance, Craaft, Mydra, den frühen Scorpions oder auch Michael Schenker. All diese Bands verstanden es meisterhaft, harte Gitarren mit starken Melodien zu kombinieren — und genau in dieser Liga hätten auch TRANS AM genannt werden müssen. Leider sah die Realität damals anders aus, und so blieb die Band weitgehend unter dem Radar.
Mit „Just A Dream“ befindet sich sogar ein absoluter Tophit auf dem Album. Der Song besitzt eine Melodie, die sofort Gänsehaut verursacht und locker das Zeug gehabt hätte, in Rockdiscos oder sogar im Radio groß durchzustarten. Für mich persönlich gehört „Just A Dream“ bis heute zu den besten Rocksongs, die ich jemals gehört habe.
Aber auch „Around Midnight“, „Go Down Shootin’“, „Miss Marple“ oder „Hard Enough“ zeigen eindrucksvoll, wie stark dieses Album eigentlich ist. Hier reiht sich ein starker Song an den nächsten, ohne echte Schwachpunkte.
„Fasten Seatbelts“ ist eine dieser zu Unrecht vergessenen deutschen Hard-Rock-Perlen, die jeder Fan von melodischem 80er-Hard-Rock mindestens einmal gehört haben sollte. Ein Album voller Leidenschaft, Energie, großer Melodien und echtem Herzblut — genau so muss klassischer deutscher Melodic Hard Rock klingen.
Bewertung: 9/10
Anspieltipps
- Around Midnight
- Go Down Shootin’
- Just A Dream
- Miss Marple
- Hard Enough
Tracklist
- Around Midnight
- Go Down Shootin’
- Just A Dream
- Hot For Love
- Thrills In The Night
- Miss Marple
- Fasten Seatbelts
- Hard Enough
- Now It’s Your Turn
- Mother Earth
Laufzeit: 42:00
Label: Bernie Productions
VÖ: 1989
Genre: Melodic Hard Rock