Als Def Leppard Ende der 90er Jahre ihr siebtes Studioalbum „Euphoria“ veröffentlichten, stand die Band an einem entscheidenden Punkt ihrer Karriere. Die glorreichen Tage von „Pyromania“ (1983) und „Hysteria“ (1987) lagen bereits mehr als ein Jahrzehnt zurück. Zwar hatten die Briten mit „Adrenalize“ 1992 noch enorme Verkaufserfolge gefeiert, doch die nachfolgenden Alben „Slang“ (1996) und teilweise auch „Retro Active“ konnten viele langjährige Fans nicht vollständig überzeugen.
Die Musikwelt hatte sich verändert. Grunge hatte die Rocklandschaft auf den Kopf gestellt, Alternative Rock dominierte die Charts und viele klassische Hard-Rock-Bands kämpften ums Überleben.
Genau in dieser Phase erschien „Euphoria“.
DIE RÜCKKEHR ZUM KLASSISCHEN DEF-LEPPARD-SOUND
Bereits vor Veröffentlichung war klar, dass Def Leppard bewusst wieder näher an ihren klassischen Stil heranrücken wollten. Sänger Joe Elliott sprach damals offen darüber, dass viele Fans den typischen Def-Leppard-Sound vermisst hatten.
Und tatsächlich: Wer „Euphoria“ auflegt, hört bereits nach wenigen Sekunden, dass die Band ihre Vergangenheit nicht länger ignorieren wollte.
Mehrstimmige Chöre.
Gigantische Refrains.
Hochglanzproduktionen.
Gitarrenharmonien.
Genau jene Zutaten, die „Pyromania“ und insbesondere „Hysteria“ zu Millionen-Sellern gemacht hatten.
Viele Fans bezeichneten „Euphoria“ damals sogar als das inoffizielle „Hysteria 2“.
DIE MISSION: ZURÜCK ZU MUTT LANGE
Eine der interessantesten Insider-Geschichten hinter dem Album betrifft den legendären Produzenten Robert John „Mutt“ Lange.
Zwar produzierte Mutt Lange das Album nicht vollständig selbst, doch sein Einfluss war überall spürbar. Die Band orientierte sich bewusst wieder an den Erfolgsrezepten, die Lange in den 80ern mitentwickelt hatte.
Songwriter Phil Collen erklärte später, dass die Band praktisch analysierte, warum „Pyromania“ und „Hysteria“ so erfolgreich gewesen waren.
Man wollte wieder große Songs schreiben.
Keine Trends verfolgen.
Keine Experimente.
Einfach Def Leppard sein.
„PROMISES“ – DER VERLORENE HYSTERIA-SONG?
Die erste Single „Promises“ schlug damals sofort ein.
Viele Fans waren überzeugt, dass der Song problemlos auf „Hysteria“ hätte erscheinen können. Der hymnische Refrain, die mehrschichtigen Gesänge und die melodische Gitarrenarbeit erinnerten stark an die goldene Ära der Band.
Für viele Anhänger war „Promises“ genau der Song, auf den sie seit Jahren gewartet hatten.
DIE BESTEN SONGS DES ALBUMS
Promises
Der größte Hit des Albums und die perfekte Rückkehr zum klassischen Def-Leppard-Sound.
Paper Sun
Atmosphärisch, emotional und mit einem der stärksten Refrains der Platte.
Demolition Man
Ein echter Hard-Rock-Brecher mit ordentlich Druck und viel Energie.
Kings Of Oblivion
Einer der unterschätztesten Songs des Albums mit starken Gitarrenharmonien.
Day After Day
Melodischer Hard Rock mit typisch britischem Def-Leppard-Charme.
Goodbye
Eine wunderschöne Ballade und für viele Fans eines der emotionalsten Stücke der gesamten Bandgeschichte.
DIE FASZINIERENDE AUFNAHMEPHASE
Ein weiteres interessantes Detail: Die Songs entstanden über mehrere Jahre hinweg. Def Leppard arbeiteten teilweise an über 30 Kompositionen, bevor die endgültige Auswahl getroffen wurde.
Joe Elliott bezeichnete die Sessions später als eine der kreativsten Phasen seit den „Hysteria“-Tagen.
Auch Gitarrist Phil Collen brachte zahlreiche Ideen ein, während Rick Savage und Rick Allen entscheidend daran beteiligt waren, den klassischen Bandsound wieder einzufangen.
WAR ES WIRKLICH EIN COMEBACK?
Kommerziell erreichte „Euphoria“ zwar nicht annähernd die astronomischen Verkaufszahlen von „Hysteria“ oder „Pyromania“, doch das war Ende der 90er Jahre für kaum eine Hard-Rock-Band noch möglich.
Trotzdem verkaufte sich das Album weltweit mehrere Millionen Mal und wurde von vielen Fans als Rückkehr zur alten Stärke gefeiert.
Vor allem in den USA sorgte „Promises“ für starke Radio-Präsenz und brachte Def Leppard wieder zurück ins Gespräch.
METALHEADS WORLD FAZIT
Wenn mich jemand fragt, welches Def-Leppard-Album nach „Hysteria“ und „Pyromania“ am ehesten den klassischen Spirit der Band eingefangen hat, dann lautet meine Antwort ohne Zögern: „Euphoria“.
Das Album klingt wie eine Liebeserklärung an die eigene Geschichte. Die Band besann sich auf ihre größten Stärken und lieferte genau das, was Millionen Fans hören wollten.
Ist „Euphoria“ so revolutionär wie „Pyromania“?
Nein.
Ist es so perfekt wie „Hysteria“?
Darüber lässt sich streiten.
Aber eines steht fest: Def Leppard fanden 1999 wieder zu sich selbst zurück. Und genau deshalb bleibt „Euphoria“ für viele Fans bis heute eines der wichtigsten Alben ihrer späteren Karriere.
Metalheads World Bewertung: 9/10
Anspieltipps:
- Promises
- Paper Sun
- Demolition Man
- Kings Of Oblivion
- Goodbye
On This Day: Am 8. Juni 1999 veröffentlichten Def Leppard mit „Euphoria“ eines ihrer stärksten und erfolgreichsten Alben der Post-Hysteria-Ära.
