Steve Dalton veröffentlichte sein Debütalbum „Primitive“ im Jahr 2022. Mit diesem Erstlingswerk konnte Steve einiges an Staub aufwirbeln. Warum ihm das gelang? Er orientierte sich nicht am Mainstream, sondern ging bewusst einen anderen Weg als viele andere Musiker. Dieser Weg bestand aus verdammt starkem Melodic Hard Rock, doch damit gab er sich nicht zufrieden. Er reicherte seine Songs mit feinen und wohldosierten Prog-Elementen an und schuf so einen Sound, der sich deutlich vom Gewohnten abhob. Mal sehen, was nach vier Jahren Pause von diesem fantastischen Stil geblieben ist.
Steve Dalton ist auf diesem Album an Mikrofon, Gitarre, Keyboards, Bass und Schlagzeug zu hören. Unterstützt wird er von Raphael Gazal und Alessandro Del Vecchio am Gesang sowie John Wait am Bass.
Raphael Gazals Stimme bewegt sich überwiegend in den mittleren Lagen und kann auf ganzer Linie überzeugen. Alessandro Del Vecchio ist bekannt als echter Tausendsassa, der neben dem Gesang nahezu jedes Instrument beherrscht. Auch hier liefert er eine starke Gesangsleistung ab. Steve Daltons eigene Stimme geht ebenfalls vollkommen in Ordnung.
Die Gitarren bilden zusammen mit den Keyboards ein kraftvolles Fundament, das nichts erschüttern kann. Beide Instrumente kommen druckvoll und überzeugend zur Geltung. Der Bass haut einem sprichwörtlich die Grütze aus der Mütze. Die Drums klingen zwar stellenweise nach Computer, verlieren dadurch aber nichts von ihrer Durchschlagskraft.
Steve zeichnet – mit einer Ausnahme – allein für sämtliche Songs verantwortlich. Lediglich bei „Evil Be Gone“ erhielt er beim Text Unterstützung von Petri Isenhelm.
Der große Unterschied zwischen Steve und vielen anderen Musikern besteht darin, dass er Musik macht, die echte Abwechslung bietet und deutlich anders klingt als vieles, was man sonst hört. Damit ist nicht zwangsläufig gemeint, dass sie besser ist – gute bis herausragende Musiker gibt es viele –, sondern vielmehr Steves ganz eigene Art, Musik zu komponieren und umzusetzen. Diese Herangehensweise ist einzigartig und verdient Anerkennung.
Steve beschränkt sich nicht auf klassischen Melodic Hard Rock. Er sprengt bewusst Genregrenzen, verschiebt sie nach seinen eigenen Vorstellungen und formt daraus etwas Eigenständiges. Das Ergebnis ist Musik, die zwar in die eine oder andere Schublade passt, gleichzeitig aber auch wieder nicht.
Mit seinem Debütalbum hatte Steve die Messlatte bereits sehr hoch gelegt. Mit „Bloodline“ setzt er sie mühelos noch ein Stück höher.
Ausgehend vom Grundsound bewegt sich das Album im Melodic Hard Rock, wird aber durch fein dosierte Prog-Elemente deutlich aufgewertet. Hinzu kommen orientalische und epische Einflüsse, die den Songs zusätzliche Facetten verleihen und sie spannend sowie abwechslungsreich wirken lassen. Hat man sich einmal auf Steves musikalische Welt eingelassen, gehen seine Songs runter wie Öl und dürften selbst kritische Hörer überzeugen.
Für die Tanzfläche eignet sich diese Musik eher weniger. Im Radio hingegen würden sich die meisten Songs durchaus wohlfühlen.
Titel wie „Invictus“, ein starker Prog-Melodic-Rocker, „See The Light“ mit seinem orientalischen Einschlag, das ebenfalls orientalisch geprägte, über sieben Minuten lange „Nailed To His Spine“, das stellenweise an eine Mischung aus Emerson, Lake & Palmer und The Sensational Alex Harvey Band erinnert, sowie das experimentelle „Evil Be Gone“ zeigen eindrucksvoll die enorme Wandlungsfähigkeit von Steve Dalton.
Allein diese vier Songs stehen beispielhaft für den Ideenreichtum des Musikers und machen deutlich, dass hier keine Musik von der Stange geboten wird.
Steve Daltons Musik ist, einfach gesagt, etwas fürs Herz. Man muss sie fühlen und nicht nur hören. Wer sich die Zeit nimmt und aufmerksam zuhört, entdeckt die vielen Feinheiten, die in den Songs stecken. Wer hingegen nur nebenbei reinhört, wird genau das verpassen, was Steve mit seiner Musik ausdrücken möchte.
Anspieltipps
- Invictus
- See The Light
- Too Many Wankers In This Town
- Tea’s On The Table
- Nailed To His Spine
- Yellow Sun
- Tattooed On My Heart
Tracklist
- Invictus (Vocals: Raphael Gazal)
- See The Light (Vocals: Alessandro Del Vecchio)
- Too Many Wankers In This Town (Vocals: Raphael Gazal)
- Weight Of Indecision (Vocals: Raphael Gazal)
- Tea’s On The Table (Vocals: Steve Dalton)
- Nailed To His Spine (Vocals: Alessandro Del Vecchio)
- Yellow Sun (Vocals: Raphael Gazal)
- Tattooed On My Heart (Vocals: Steve Dalton)
- Senorita (Vocals: Raphael Gazal)
- Evil Be Gone (Vocals: Raphael Gazal & Steve Dalton)
Bewertung
9,5/10
Laufzeit: 53:59
Label: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 06.07.2026
Genre: Melodic Hard Rock
Videos
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