BLACKIE LAWLESS ARBEITET WEITER AN SEINER LANG ERWARTETEN AUTOBIOGRAFIE „TALES FROM THE SQUARE MILE“. DER W.A.S.P.-FRONTMANN MACHT DEUTLICH, DASS ES DARIN NICHT EINFACH UM DIE ÜBLICHE MISCHUNG AUS SEX, DRUGS & ROCK’N’ROLL GEHEN SOLL. IM MITTELPUNKT STEHEN SEIN EIGENER WEG – UND DAS HOLLYWOOD, DAS IHN UND DIE MUSIKINDUSTRIE PRÄGTE.
Seit Jahren arbeitet Blackie Lawless an seiner Autobiografie. Der vorläufige Titel lautet „Tales From The Square Mile“ – und je länger sich Lawless mit dem Projekt beschäftigt, desto größer scheint dessen Umfang zu werden.
In einem neuen Interview mit IndiePower TV erklärt der W.A.S.P.-Frontmann, dass er ursprünglich von einer deutlich einfacheren Aufgabe ausgegangen sei. Nachdem er unter anderem mit Bruce Dickinson über dessen Erfahrungen beim Schreiben gesprochen hatte, rechnete Lawless zunächst mit ungefähr sechs Monaten Arbeit.
Inzwischen sind daraus nach eigener Aussage sechs Jahre geworden.
Mehr als nur Blackies eigene Geschichte
Der Grund für die lange Entstehungszeit liegt vor allem in der Richtung, die das Buch genommen hat.
Lawless dachte zunächst, er würde lediglich seine persönliche Lebensgeschichte erzählen. Im Laufe der Recherchen stellte er jedoch fest, dass für ihn auch Hollywood selbst zu einem entscheidenden Bestandteil der Geschichte gehört.
Der Titel „Tales From The Square Mile“ bezieht sich auf jenes ungefähr eine Quadratmeile große Gebiet in Hollywood, in dem Lawless vor fast fünf Jahrzehnten lebte und arbeitete.
Nach seiner Ankunft in Kalifornien schlief er zunächst bei verschiedenen Menschen auf dem Fußboden. Später lebte er nach eigener Schilderung rund anderthalb Jahre in einem etwa drei Fuß breiten und zwölf Fuß langen Schrank – direkt gegenüber vom Hollywood Palladium.
Genau dort spielten W.A.S.P. im Dezember 2024 erneut.
Für Lawless ist diese räumliche Nähe zwischen den schwierigsten Anfängen und dem späteren Erfolg ein zentrales Motiv des Buches.
Vom Waschsalon zum eigenen Studio
Eine weitere Geschichte zeigt besonders deutlich, warum der Ort für Lawless so wichtig geworden ist.
In der Anfangszeit probte seine Band nach Geschäftsschluss in einem Waschsalon an der Kreuzung Santa Monica und Vine. Das Equipment wurde zwischen den Waschmaschinen aufgebaut.
Jahre später besaß Lawless nur wenige Meter entfernt ein eigenes Aufnahmestudio.
Für ihn wurde dieser kurze Weg sinnbildlich für einen wesentlich längeren persönlichen Aufstieg.
Gleichzeitig stellte er fest, dass viele Orte der alten Musikindustrie heute kaum noch als solche zu erkennen sind. Historische Studios, Managementbüros und andere Schauplätze wurden umgebaut oder verschwanden vollständig.
Als Beispiel nennt Lawless die ehemaligen Gold Star Recording Studios, in deren unmittelbarer Nähe sein eigenes Studio lag. Die historische Bedeutung vieler solcher Orte sei im heutigen Hollywood kaum noch sichtbar.
Bela Lugosi, Zorro und ungewöhnliche Zufälle
Auch persönliche Kindheitshelden spielen offenbar eine Rolle.
Lawless beschreibt die Figur Blackie Lawless selbst als Mischung aus Zorro und Bela Lugosi.
Erst bei seinen späteren Recherchen habe er herausgefunden, dass Lugosi zum Zeitpunkt seines Todes offenbar nur wenige Meter von jenem Schrank entfernt lebte, in dem Lawless später selbst wohnte.
Solche Zufälle ziehen sich nach seinen Worten durch das Buch. Lawless hatte bereits Anfang August erklärt, dass Leser bei manchen Geschichten vermutlich denken würden, sie könnten unmöglich wahr sein.
Er betont jedoch ausdrücklich, dass die geschilderten Ereignisse tatsächlich passiert seien.
„Nicht das typische Sex, Drugs and Rock’n’Roll“
Lawless sagt klar, dass sein Buch kein typisches Rock’n’Roll-Enthüllungsbuch werden soll.
Natürlich gebe es auch eine Phase mit den bekannten Exzessen. Doch als er nach Kalifornien zog, habe sich sein Fokus bereits stark auf die Arbeit verlagert.
Seine Geschichte sei deshalb anders als vieles, was Fans aus klassischen Rock-Biografien gewohnt seien.
Ein großer Teil des Projekts beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Hollywoods Filmindustrie und der späteren Musikindustrie. Lawless sieht direkte Parallelen zwischen den Studiosystemen der 1920er bis 1940er Jahre und der Struktur späterer Plattenfirmen.
Um diese Zusammenhänge korrekt darzustellen, habe er umfangreiche historische Recherchen betrieben.
Das Schreiben wurde zur Selbstanalyse
Die Arbeit an „Tales From The Square Mile“ wurde für Lawless offenbar auch persönlich wesentlich intensiver als erwartet.
Er beschreibt das Schreiben als eine Art Selbstanalyse.
Oberflächlich glaube man, bestimmte Ereignisse aus dem eigenen Leben noch genau zu kennen. Erst wenn man versuche, sie detailliert zu rekonstruieren, tauchten weitere Erinnerungen und Zusammenhänge auf.
Besonders schwierig sei für ihn das Kapitel über seine Kindheit gewesen.
Lawless‘ Vater arbeitete im Baugewerbe, weshalb die Familie häufig umzog. Bis zu seinem Schulabschluss besuchte Blackie nach eigenen Angaben 13 verschiedene Schulen.
Er war dadurch ständig der Neue, musste immer wieder Freundschaften aufbauen und kurz darauf erneut Abschied nehmen. Rückblickend erkennt Lawless darin einen größeren Einfluss auf seine Persönlichkeit, als ihm lange bewusst gewesen sei.
Veröffentlichung möglicherweise 2027
Einen festen Erscheinungstermin gibt es weiterhin nicht.
Lawless sagt, dass er inzwischen den Großteil der Recherchen abgeschlossen habe und das Manuskript ungefähr zur Hälfte fertig sei.
Da W.A.S.P. im Herbst erneut auf Tour gehen, dürfte die Arbeit vorübergehend langsamer vorankommen.
Seine Hoffnung ist derzeit, „Tales From The Square Mile“ irgendwann 2027 veröffentlichen zu können.
Eine verbindliche Ankündigung ist das allerdings noch nicht.
W.A.S.P. gehen im Herbst wieder auf Tour
Parallel zur Arbeit am Buch steht für Lawless weiterhin W.A.S.P. im Mittelpunkt.
Die Band startet am 10. September 2026 ihre nordamerikanische „1984 To Headless“-Tour mit KK’s Priest als Special Guest.
W.A.S.P. wollen dabei Songs aus ihren ersten vier Alben spielen: dem Debüt „W.A.S.P.“, „The Last Command“, „Inside The Electric Circus“ und „The Headless Children“.
Für 2027 ist angekündigt, diese Tour auch nach Europa und in weitere Teile der Welt zu bringen.
Ein Buch über Erfolg – aber auch über den Ort dahinter
„Tales From The Square Mile“ scheint damit weit über die übliche Musikerbiografie hinauszugehen.
Natürlich wird es um W.A.S.P., Lawless‘ Karriere und seinen Aufstieg gehen. Nach seinen aktuellen Aussagen soll aber ebenso erzählt werden, welchen Einfluss ein bestimmter Teil Hollywoods auf ihn und auf die Musikindustrie hatte.
Aus einem Mann, der einst in einem winzigen Schrank gegenüber dem Hollywood Palladium schlief, wurde einer der markantesten Frontmänner des amerikanischen Heavy Metal.
Und Jahrzehnte später steht er immer noch in derselben Quadratmeile.
Genau diese Geschichte will Blackie Lawless offenbar erzählen.
