FOR OLD TIMES SAKE – DREI WORTE, DIE ZEIGEN, WIE GROSS EIN ABSCHIED SEIN KANN. DIE RÜCKKEHR VON RITCHIE BLACKMORE ZU DEEP PURPLE HAT MICH NICHT NUR ALS REDAKTEUR BESCHÄFTIGT, SONDERN VOR ALLEM ALS FAN. UND SIE HAT EINE FRAGE AUFGEWORFEN: WIE SOLLTEN DIE GROSSEN BANDS UNSERER MUSIK EIGENTLICH IRGENDWANN ABSCHIED NEHMEN?
Der gemeinsame Auftritt von Deep Purple und Ritchie Blackmore hat für enorme Aufmerksamkeit gesorgt. In den sozialen Medien wurde diskutiert, kommentiert und natürlich auch kritisiert. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Stimmen kamen, Blackmore würde heute nicht mehr so spielen wie vor 30 oder 40 Jahren.
Aber darum geht es für mich überhaupt nicht.
Es geht um die Geste.
Es geht darum, nach all den Jahrzehnten noch einmal die Hand auszustrecken. Noch einmal gemeinsam auf einer Bühne zu stehen und einen Teil jener Geschichte lebendig werden zu lassen, die Generationen von Rockfans begleitet hat.
Ritchie Blackmore brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt:
For old times sake.
Mehr braucht es eigentlich nicht.
Ich schreibe diese Zeilen als Fan
Diesmal schreibe ich nicht nur als Herausgeber von Metalheads World. Ich schreibe als Fan.
Als jemand, der seit 1978 dieser Musik verfallen ist, als AC/DC in mein Leben kamen. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen. Wir haben Bands kommen sehen, wir haben ihre verschiedenen Besetzungen erlebt, Musiker gefeiert, Abschiede erlebt und leider viel zu viele unserer Helden verloren.
Und inzwischen lässt sich eine Tatsache nicht mehr verdrängen:
Viele der großen Bands, mit denen wir aufgewachsen sind, befinden sich auf der Zielgeraden ihrer Karriere.
Irgendwann wird für jede von ihnen der letzte Vorhang fallen.
Deshalb frage ich mich: Wie könnte der perfekte Abschied aussehen?
Black Sabbath haben gezeigt, was möglich ist
Mein Wunsch wäre ein Abschied, der nicht einfach nur aus einem letzten Konzert besteht.
Warum nicht ein großes Festival?
Ein Festival in der Heimatstadt der jeweiligen Band. Mit Musikern und Bands, die von ihr beeinflusst wurden. Ein ganzer Tag als Feier ihrer Geschichte.
Und am Ende steht die Band selbst auf der Bühne.
Aber nicht nur ihre aktuelle Besetzung.
Holt noch einmal die ehemaligen Mitglieder zurück, die Teil dieser Geschichte waren und dabei sein können. Gebt ihnen noch einmal diese große Bühne. Vielleicht für einen Song, vielleicht für mehrere Songs, vielleicht nur für diesen einen Moment.
Und diejenigen, die nicht mehr unter uns sind?
Ehrt sie mit besonderen Videoeinspielungen und gebt auch ihnen symbolisch noch einmal ihren Platz in dieser Geschichte.
Nicht als traurigen Abgesang, sondern als verdiente Würdigung eines musikalischen Lebenswerks.
Die Fans haben nicht nur eine Besetzung geliebt
Genau deshalb empfand ich den Abschied von KISS als verpasste Gelegenheit.
Wie gewaltig wäre es gewesen, bei einem endgültigen Abschied noch einmal möglichst viele der ehemaligen, noch lebenden Mitglieder auf dieser Bühne zu sehen?
Denn wir Fans haben nicht nur Logos und Bandnamen geliebt.
Wir haben Besetzungen geliebt.
Wir haben bestimmte Alben mit bestimmten Musikern verbunden. Bestimmte Konzerte, bestimmte Lebensabschnitte und Erinnerungen gehören für uns untrennbar zu verschiedenen Phasen einer Band.
Warum sollte man diese Geschichte beim endgültigen Abschied ausblenden?
Was hinter den Kulissen möglich ist, welche persönlichen, geschäftlichen oder finanziellen Gründe dagegenstehen, können wir als Außenstehende natürlich nicht beurteilen.
Aber als Fan darf man sich etwas wünschen.
Und genau das tue ich.
Stellt euch diesen letzten Tag vor
Stellt euch vor, die Scorpions würden irgendwann einen solchen Abschied feiern.
Oder Judas Priest.
Oder Iron Maiden.
Ein großes Festival in der Heimat der Band. Weggefährten und von ihnen beeinflusste Bands eröffnen den Tag. Die Geschichte wird auf großen Leinwänden erzählt. Verstorbene Mitglieder werden gewürdigt. Frühere Musiker kehren für einzelne Songs zurück.
Und ganz am Ende stehen noch einmal möglichst viele jener Menschen gemeinsam auf der Bühne, die über Jahrzehnte diesen Namen geprägt haben.
Keine Diskussion darüber, wer heute noch genauso schnell spielt wie 1985.
Keine Frage danach, ob jede Note perfekt sitzt.
Einfach Geschichte.
For old times sake.
Vielleicht bleibt das Wunschdenken. Vielleicht wird die eine oder andere große Band genau diesen Weg gehen.
Ich hoffe es.
Denn für mich wäre ein solcher Abschied eines der größten Geschenke, das eine Band ihren Fans machen könnte.
Wir haben diese Musik über Jahrzehnte begleitet. Wir haben Platten gekauft, Konzerte besucht, Shirts getragen, über Besetzungswechsel gestritten und Songs mit unserem eigenen Leben verbunden.
Wenn irgendwann wirklich Schluss ist, dann sollte dieser letzte Abend nicht nur das Ende einer Band sein.
Er sollte eine Feier ihrer gesamten Geschichte sein.
Wie seht ihr das, Metalheads?
Jetzt möchte ich eure Meinung hören.
Sollten große Bands ihren endgültigen Abschied mit einem Festival feiern und dabei noch einmal möglichst viele ehemalige Mitglieder auf die Bühne holen?
Sollten auch die verstorbenen Musiker einen besonderen Platz in dieser letzten Show bekommen?
Oder sagt ihr: Die aktuelle Besetzung ist die Band und genau diese sollte den letzten Vorhang bekommen?
Schreibt eure Meinung in die Kommentare.
Denn diesmal geht es nicht um Kritiker.
Diesmal geht es um uns Fans.