Bericht & Fotos: Vanessa Mueller
Manche Festivals bleiben wegen ihrer musikalischen Klasse in Erinnerung. Andere, weil sie zeigen, wie nah Triumph und Tragödie manchmal beieinander liegen. Die Pyraser Classic Rock Night 2026 war beides. Vor ausverkauftem Haus erlebten die Besucher einen abwechslungsreichen Festivaltag mit hochkarätigen Bands, der jedoch von mehreren schweren Zwischenfällen überschattet wurde.
Traditionell eröffnete der Metalchor Stimmengewitter das Festival und sorgte mit seinen Interpretationen bekannter Rockklassiker für den perfekten Auftakt.
Bereits um 14 Uhr betrat Blaze Bayley, ehemaliger Sänger von Iron Maiden, gemeinsam mit seiner Band, bestehend aus den Musikern von Absolva, die Bühne. Vom ersten Song an sprang der Funke auf das Publikum über und Bayley zeigte eindrucksvoll, warum er bis heute zu den beliebtesten Stimmen der Metal-Szene zählt.
Für den wohl ungewöhnlichsten Auftritt des Tages sorgten anschließend Nanowar Of Steel. Die Italiener verbanden ihren bekannten Comedy-Rock mit aufwendigen Kostümen, viel Selbstironie und einer unterhaltsamen Bühnenshow. Trotz aller humoristischen Elemente überzeugte die Band auch musikalisch auf ganzer Linie.
Ein weiteres Highlight folgte mit Dynazty. Die Schweden präsentierten sich in Bestform und bestätigten eindrucksvoll ihren Ruf als einer der stärksten Power-Metal-Acts der Gegenwart. Sänger Nils Molin begeisterte mit seiner außergewöhnlichen Stimme, während die gesamte Band eine energiegeladene Performance ablieferte, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.
Danach gehörte die Bühne AXXIS. Die deutsche Power-Rock-Institution um Bernhard Weiss zeigte einmal mehr, weshalb sie seit Jahrzehnten zu den festen Größen der Szene zählt. Trotz sommerlicher Temperaturen wirbelte Weiss unermüdlich über die Bühne und überzeugte stimmlich wie gewohnt.
Mit großer Spannung wurde anschließend Dirkschneider erwartet. Doch während des Konzerts kam es zu einem dramatischen Zwischenfall. Als Udo Dirkschneider zwischen zwei Songs mit dem Publikum sprach, wollte Bassist Peter Baltes etwas trinken holen. Dabei stürzte er seitlich der Bühne in eine durch einen Vorhang verdeckte und offenbar nicht ausreichend gesicherte Bodenöffnung. Für die Zuschauer war es ein schockierender Moment, als Baltes unterhalb der Bühne liegen blieb. Das medizinische Personal war umgehend vor Ort.
Bereits vor dem Auftritt hatte Gitarrist Alen Brentini trotz einer deutlich sichtbaren Kopfverletzung die Bühne betreten. Beide Musiker wurden anschließend ins Krankenhaus gebracht. Dort stellte sich heraus, dass Peter Baltes drei Rippenbrüche erlitten hatte.
Nach dem vorzeitigen Ende des Dirkschneider-Auftritts und einer rund 90-minütigen Unterbrechung wurde das Festival fortgesetzt.
Es folgte Rose Tattoo aus Australien auf ihrer Abschiedstournee. Frontmann Gary „Angry“ Anderson, der am 5. August seinen 79. Geburtstag feiert, beeindruckte erneut mit seiner markanten Stimme und dem unverwechselbaren Mix aus Hard Rock, Blues und Slide-Gitarren. Doch auch dieser Auftritt blieb nicht von Problemen verschont. Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden musste Anderson das Konzert nach rund 40 Minuten hustend vorzeitig beenden.
Den Schlusspunkt setzten Strange Kind Of Women aus Italien. Die reine Frauenband interpretierte die Klassiker von Deep Purple auf ihre eigene Weise und überzeugte mit einer starken Performance, die trotz der späten Stunde noch zahlreiche Fans vor der Bühne hielt.
Nach insgesamt rund 13 Stunden in der ersten Reihe bleibt die Pyraser Classic Rock Night 2026 als ein Festival mit herausragenden musikalischen Momenten, aber auch mit ernsten Ereignissen in Erinnerung. Gleichzeitig zeigte dieser Tag eindrucksvoll, wie wichtig höchste Sicherheitsstandards hinter den Kulissen einer Konzertproduktion sind.
Metalheads World wünscht Peter Baltes, Alen Brentini und Gary „Angry“ Anderson eine schnelle und vollständige Genesung und hofft, alle bald wieder gesund auf der Bühne erleben zu dürfen.

















































