@ British Airways ARC Hall, London (UK)
12. Juli 2026
TEXT & FOTOS: IVY WOLFISBERG
Nun, die Organisatoren der England-Tour von Sammy Hagar mussten während der Vorverkaufsphase die gebuchten Konzerte in England betreffend der Hallengrössen «downsizen». Was vielleicht für den Veranstalter nicht so erfreulich ist, dass dies aufgrund der unerwartet niedrigen Ticketverkäufe im Vorverkauf passierte, ist natürlich für den Fan umso besser. Der Starmusiker spielt in einer kleineren Halle, was natürlich sicht- und gefühlsmässig und hier in diesem Fall sogar soundmässig vorteilhafter ist. Der Fun Fact ist, dass aber Sammy Hagar nun aufgrund der Ticketnachfrage dann doch drei Konzerte in London spielen musste und alle drei Events waren ausverkauft.
Ich entschloss mich kurz vor dem Konzerttermin sehr spontan, eine Reise nach London zu machen. Nun ja, der späte Vogel kriegt dann halt nur noch die Tickets, die noch verfügbar sind. In meinem Fall war das aber ein Sitzplatz vorne in der Mitte der dritten Reihe, ca. 5 Meter von Bühne entfernt. Ja, Holy Cow, wie geil war das denn? Und dass in den beiden Sitzreihen vor mir nur Menschen mit einer Durchschnittsgrösse von ca. 170 cm sassen (nein, während dem Konzert standen), war natürlich für mich als ü-180cm-Menschen sehr vorteilhaft und ich hatte daher eine perfekte Sicht auf die Bühne. Was wollte ich noch mehr an diesem tollen Ego-Weekend in London? Das Wetter war mit 30° Grad Temperatur und viel Sonnenschein königlich, ich konnte gutes Essen in der Camden Town kredenzen und kriegte viel Feelgood-Vibes nebenher und erlebte dann am Sonntagabend noch ein absolut geiles Konzert in der wunderbaren British Airways ARC-Hall in Kensington / London. Manchmal denke ich, dass der für mich zuständige Gott wohl auch ein Rockfan und mir wirklich gutgesinnt ist. Oder so …
Pünktlich wie das britische Königshaus begann die Vorgruppe Jayler ihr Konzert. Von der Band war mir selber nur der Name ein Begriff, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, im Vorfeld einen Song von der jungen englischen Band aus den Midlands gehört zu haben. Zunächst hatte ich das Gefühl, dass eine junge Reinkarnation vom Led Zeppelin-Sänger Robert Plant auf die Bühne kam, als der Sänger James Bartholomew zum Mikroständer ging. Optisch wie auch stimmlich! Und der Sound der Band kann eine Einflussnahme des bleiernen Luftschiffes nicht verleugnen. Die halbe Stunde, die Jayler zustand, nützten die vier Jungs optimal und spielten ein wirklich tolles Konzert. Und ja, sie holten mich ab, aber dennoch ich kaufte dennoch ihr Vinyl am Merchandise (noch) nicht. Ich musste ja wieder mit dem Flieger irgendwann nach Hause fliegen, nein, nicht mit einem Zeppelin, sondern mit einem Airbus. Also, Jayler hat gut erfüllt, obwohl sie die Leute noch nicht von den Sitzen im bestuhlten Saal rissen.
Was dann aber eine halbe Stunde später passierte, als Michael Anthony (Bass), Joe Satriani (Gitarre), Kenny Aronorr (Schlagzeug) und «Spider Cherry» – aus welchen Pornolfilm nahm er wohl diesen Künstlernamen? – oder in echt Nathan Mercado (Keyboards) die Bühne betraten und mit dem Konzert des Headliners begannen. Und als dann der bald 79-jährige (!) Sänger und Gitarrist Sammy Hagar die Bühne betrat, war die Stimmung in der Londoner Halle auf dem Höhepunkt. «Why Can’t This Be Love» vom 5150er-Album von Van Halen war der Opener des fast zweistündigen Konzertes. Läck Bobby (also hier ist dann nicht ein Londoner Stadtpolizist gemeint), dieses Lied hat heuer auch schon 40 Jahre auf dem Buckel! Schon bereits in diesen ersten Minuten merkte man, der Konzertabend wird speziell. Die Band hatte eine absolute Spielfreude, viel Spass auf der Bühne und spielte dennoch geil. Und Sammy Hagar ist noch immer toll bei Stimme und war der grosse Entertainer. Und das Publikum war heiss und sang in voller Lautstärke mit, was die Band sehr freute. Mit «Top of the World», «Panama» und «Best of Both World” folgten gleich drei weitere Songs aus dem Van Halen-Fundus und brachten eine Partystimmung in die ARC-Halle. Natürlich scherzten Sammy und Michael Anthony rum, tranken mal den einen oder anderen Schluck Tequilla, den sie aber grosszügigerweise auch an das Publikum in der ersten Reihe verteilten, bis die grosse Flasche leer war. Ja, Sammy verband an diesem Abend das Konzert auch gleich mit einer Signing Session, in dem er Fanartikel, die die Fans auf den vorderen Teil der Bühne legen liessen, unterschrieb. So quasi im Stil «Singing Signing»
…
Auch seine Band Montrose kam zu zwei Songehren, «Rock Candy» und «Bad Motor Scooter» folgten der Van Halen Startsammlung. Das Publikum war begeistert von den Musikern. Joe Satriani spielte die Soli unglaublich toll und perfekt. Und ja, die typischen, legendären Michael Anthony Backing Vocals waren super gemischt und hörbar. Ausserdem durfte der ehemalige Van Halen-Bassist auch mal die eine oder andere Strophe in einem Van Halen-Lied singen und bei «Ain’t Talkin’ About Love» gehörte ihm das Mikrophon alleine. Sammy Hagar gönnte sich da schnell eine Backstage-Pause und daher durften Michael Anthony eben diesen Van Halen-Song spielen und Joe Satriani konnte dann noch sein «Satch Boogie» zum Besten bringen. Göttlich.
Ja, und auch Solosachen wie «There’s Only One Way To Rock” und “I Can’t Drive 55” durften nicht fehlen. Abzug in der Bestnote gab es aber wegen zwei Lücken in der Setliste von Sammy Hagar. Zum einen fehlte mir das geniale «Give To Live» und obwohl drei Viertel von Chickenfoot auf der Bühne standen, wurde kein Lied dieser geilen Band gespielt. Hmm, ok, das ist zwar Jammern auf hohem Niveau, aber für einen für mich perfekten Konzertabend wären diese beiden musikalischen Darbietungen das noch schöngeformte Tüpfelchen auf dem «i» gewesen. Nun, die Bestnote und natürlich die Topplatzierung für das besten Konzert meiner über 2’000 Konzertbesuche daher knapp verpasst! Saaammmyyy !!!
Es gab dann noch eine Zugabe mit «Encore, Thank You, Goodnight» und dann verabschiedete sich die Band unter grossem Applaus. Nun, die spontane Reise nach London hat sich vollends alleine wegen diesem Konzert gelohnt. Auch wenn ich zwei für mich essentielle Bestandteile von Sammy Hagar’s Rockkarriere nicht hören konnte, gehören diese zwei Stunden zum Besten, was ich bisher in meinem «Konzertleben» gehört und gesehen habe. Es war nicht nur die musikalische Genialität der Band ohne viel künstlichen Firlefanz, es war auch das natürliche Auftreten auf der Bühne. Sammy und Michael gaben uns eine Art «Kumpelgefühl» mit ihrer guten Laune und Sprüchen. Ausserdem meinte Sammy, dass er unbedingt einen Keyboarder mit dabei haben wollte, denn dieses Samplegedöns und eingespielten Backing Vocals müssen einfach nicht mehr sein. Die Showelemente selber waren minim, es wurde hinter der Band lediglich eine paar Videosequenzen eingespielt, sonst lebte das Konzert von der Erscheinung der Band. Das am Sonntagabend war eine Art Blaupause für ein exzellentes Livekonzert!










