@ The Hall, Zürich-Stettbach
14. Juli 2026
TEXT & FOTOS : IVY WOLFISBERG
Nun, an diesem warmen Dienstagabend herrschte in Zürich Konzerthochbetrieb. Im rostigen Leichtathletikstadion (oder naja, hmm Fussballstadion) Letzigrund spielte die deutschen Schlagersängerin Helene Fischer ihr Konzert und nur 5 Kilometer weiter östlich traten die texanischen Bluesrocker ZZ Top in der The Hall in Zürich-Stettbach auf. Somit konnte man an diesem Abend im Zürcher Hauptbahnhof auch zweierlei Gruppen an Musikfans sehen, wobei die Musik von ZZ Top mittlerweile auch eine weitverbreitete Hörerschaft erreicht. Und somit auch Leute anzog, die sich für diesen Abend wohl für den richtigen Ticketkauf mittels Stichwahl entscheiden mussten. Bei mir war die Wahl sonnenklar, ich gehe so oder so nie ins Letzi…
The Hall in Zürich-Stettbach war ausverkauft, was dem Konzert der Bluesrock-Legenden ZZ Top einen würdigen Rahmen gab. Die anno 1969 gegründete Band aus Houston (Texas) konnte auch auf einen grossen Rucksack an Hits und Klassikern zurückgreifen, so dass wir heute wohl hoffentlich ein langes Konzert erwarten durften (aber, manchmal kommt es anders, als …).
Das Publikum war bunt gemischt, vom Musik-Nerd über den Heavy Metaller bis hin zum Hörer des im «hintergrund-laufenden» Radios, Leute, die sich mit der Musik von ZZ Top bis zurück zu den tiefen texanischen Wurzeln auskennen und Leute, die rein zufällig mal ein paar ZZ Top-Stücke im Radio oder an einem Fest hörten und nur die grossen Hits der Band kennen und lieben. Das zeigt sich dann auch, dass man auch mal neben Leuten steht, die bei eben diesen Hits ausflippen, als gebe es kein Morgen mehr und bei den weniger bekannten Stücken dann mehr laut quatschten. Nun, für dieses Konzert gönnte ich mir mal ausnahmsweise ein Golden Circle-Ticket, da ich ZZ Top wahrhaftig das erste Mal überhaupt live sehen konnte. Ja, auch der «To-Do»-Liste konnte das nun auch abgehakt werden. Und ich stand so quasi dann etwa fünf Meter von der Bühne entfernt, so nahe, dass ich mit einem Gogo-Gadget (wer kennt es noch?) fast hätte Billy Gibbons‘ Bart kraulen können. Apropos, beim Barte des Propheten, ich war gespannt, was mir ZZ Top musikalisch und gefühlsmässig werden geben können. Was mich sehr freute, dass für das Schweizer Konzert „unsere“ Basement Saints für den Support Slot ausgewählt wurden.
Es war schon zünftig warm in der Halle gestern, als die Basement Saints auf die Bühne traten und ihren dreissigminütigen Teufelsritt starteten. Heute mussten sie zwar auf ihren Stammschlagzeuger Simon Moll verzichten, aber das machte dem Druck und der Energie der Musik des multinationalen Schweizer Trios keinen Abbruch. Die Band überzeugte vollends mit ihrem tollen Set, dessen Songs sehr gut für diesen Abend ausgewählt waren und die dem Publikum eigentlich keine Verschnaufpause gönnten. Der Auftritt gefiel sehr gut, was man am lauten Applaus hörte.
Und die Band konnte an diesem Dienstagabend sehr gute Werbung für sich selber machen. Der Sound war gut gemischt, aber beim Licht mussten aber starke Abstriche gemacht werden, leider. Aber der Band war das egal und sie spielten ein richtiges geiles Set, das eigentlich viel zu schnell fertig war. Kaum hatte die Band angefangen zu spielen, war sie dann bald warmgespielt und voll im Schuss, hiess es schon, dass nun der letzte Song gespielt werde. Exakt 29 Minuten ging der schweisstreibende Trip durch ihre eigenen Songs, die den Sound des modernen Rock mit den Stilelementen von Altmeistern wie Deep Purple, Uriah Heep und Konsorten perfekt vermischen. Ein Coversong hatten sie mit „Wicked Game“ auch im Programm. Das kurze Konzert war ein feines Stück sehr solide Hardrock-Arbeit des Schweizer Trios und dieser Konzertabend gehört sicher zu den Höhepunkten in Basement Saints‘ Karriere. Schön, dass man den 5’000 Menschen in der ausverkauften The Hall einen so guten Start in diesen Konzertabend hatte bescheren können.
Um fünf nach neun ging das Licht in der Halle erneut aus und drei Herren spazierten auf die Bühne. Nun, dass ZZ Top seit dem Hinschied von Bassist Dusty Hill mit Elwood Francis einen neuen Mann in der Band haben, war ja bekannt. Aber dass der Schlagzeuger Frank Beard nicht mit dabei war, erstaunte mich schon. Denn bei der Konzertankündigung auf der Homepage von The Hall ist Frank Beard erwähnt. Nun ja, der Mann ohne Namen (auch im Internet habe ich nichts gefunden) am Schlagzeug war optisch deutlich jünger als der Rest der Band und ja, «leider» hatte er für meinen Geschmack auch eine Prise zu viel Schub am Drumkit für die bluesigeren Sachen von ZZ Top. Was dann aber jedoch den Hardrock Klassikern «Gimme All Your Lovin’» und «Sharp Dressed Man» auf der anderen Seite wiederum gut stand. Am Ende steht auch der Fact, dass mit Billy Gibbons nur noch ein Mitglied der bekannten Band-Besetzung ab 1969 mit an Bord war. Und der Bartli ist ja auch mehr als 76 Jahre alt.
Schon bereits zu Beginn des Konzertes setzte sich die Band quasi unter Druck. «Got Me Under Pressure» war der Opener der Zürcher Show, welcher natürlich von grossartigem Album «Eliminator» stammt und aber dort ungerechterweise etwas im Schatten der drei grossen Hits «Legs», «Gimme All Your Lovin’» und «Sharp Dressed Man» steht. Natürlich vergass die Band ihre Blueswurzeln nicht und spielte feinsten texanischen Blues mit einer rockigen Unterseite. «Waitin’ For The Bus» und “Jesus Just Left Chicago” vom “grünen”, dritten Album “Tres Hombres” waren aus dieser Abteilung, bis dann der erste Hardrock ertönte. Eben «Gimme All Your Lovin’», welches dann alle Leute zum Mitsingen und «Sich-etwas-Bewegen» animierte. Der Abend war nun lanciert und die Band hatte ein leichtes Spiel, dem Publikum zu gefallen.
Das Konzert war eigentlich perfekt gespielt, aber mir fehlte etwas der Überraschungsmoment, den ich von kleineren Blueskonzerten von anderen Bands her kenne. Mal dort ein bisschen spontan improvisieren, mal hier ein bisschen länger solieren, das gab es gestern Abend bei ZZ Top nicht. Das Konzert war meinem Empfinden nach so wie durchgetaktet, so dass man den Hauptset auch fast exakt nach 60 Minuten (!) beendete! In dieser Zeit hatten ZZ Top vierzehn Songs gespielt, unter anderem «My Head’s in Mississippi» und natürlich das lautstark gefeierte «Sharp Dressed Man». Und beim letzten Song des Hauptsets «Legs» konnte man dann noch etwas Zusätzliches für den Schweiss-Haushalt tun und im «süttigwarmen» Saal tanzen.
Nach exakt fünf Minuten Pause kamen die drei Männer von ZZ Top wieder zurück auf die Bühne. Billy Gibbons und Elwood Francis mit frischen roten Kitteln, wobei dann die obere Hälfte des Körpers mit den Bärten fast etwas an Sankt Nikolaus erinnerte. «Brown Sugar» vom ersten Album eröffnete das Zugaben-Quartett und «La Grange» war der Rausschmeisser am Ende des Konzertes. Es waren am Ende total 85 Minuten Show inklusive der vier Zugaben, was meines Erachtens fast ein bisschen mager ist für eine Band wie ZZ Top! Zumal es doch noch ein paar Songs gegeben hätte, die sie hätten spielen können.
Das Konzert war gut und man verzichtete auf grosse Showelemente. Die Band stand im Mittelpunkt, was sehr erfreulich war. Eine Person wie Billy Gibbons füllte die Bühne mit seiner Persönlichkeit. Ein bisschen Schmunzeln musste ich wegen den Verstärkern und Boxen auf beiden Seiten des Drumkits. Zum einen waren sie kreuz und quer aufgehängt und zum anderen erinnerten mich vor allem die schmalen Verstärker durch ihre Farbgebung an grosse Wrigley’s oder Hollywood- Kaugummipackungen aus den 70er- oder 80er-Jahren …
Im Grossen und Ganzen war es, wie erwähnt, ein guter Konzertabend mit einer sehr guten Vorband (Basement Saints) und mit einem soliden Hauptact, der natürlich den Kult um die Band und die tollen Songs zelebrierte und auch die Songs ohne Fehl und Tadel spielte. Ich hatte aber noch ein paar bisschen mehr Spontanität in den vor allem bluesigeren Sachen und ein paar Minuten mehr Konzertdauer gewünscht. Vielleicht bin ich auch nur verwöhnt durch die unzähligen, kleineren Blueskonzerte, so dass ich wohl zu viel von kommerzielleren Ablegern dieser Musikrichtung wie ZZ Top in diese Richtung hin erwarte. Aber gut war, dass ich ZZ Top endlich mal live gesehen habe und einen guten Konzertabend erleben konnte.
So, Ivy Just Left Stettbach





