Zwischen Killer-Line-Up und Hochglanzproduktion
Selten habe ich mich mit einem Album so schwergetan wie mit „BLACK FLAME“.
Meine Erwartungen waren riesig. Chris Poland lädt zum musikalischen Gipfeltreffen – und wirklich gefühlt die gesamte Rock- und Metal-Welt folgt dem Ruf. 36 Gastmusiker. Allein diese Zahl ist bereits eine Ansage. Und natürlich sitzt bei einem solchen Aufgebot das technische Niveau praktisch durchgehend auf Weltklasse-Niveau.
Vorweg gesagt:
Nein – dieses Album ist definitiv kein Fehlschlag.
Aber genau darin liegt vielleicht auch das Problem.
Denn bei diesem nahezu absurden Killer-Line-Up hätte „Electric Burn“ eigentlich ein absolutes Jahrhundertalbum werden müssen. Stattdessen bleibt am Ende ein zwiespältiger Eindruck zurück.
Musikalisch funktioniert vieles hervorragend. Die Soli sitzen punktgenau, die Vocals liefern ab, die einzelnen Musiker zeigen immer wieder ihre Klasse. Chris Poland zieht als kreativer Mittelpunkt souverän die Fäden und sorgt dafür, dass das Album nie auseinanderfällt.
Doch genau hier beginnt auch die Kritik.
Viel zu vieles wurde im modernen Hochglanz-Mainstream-Sound glattpoliert. Dieses sterile, perfekt geschniegelt Produzierte nimmt vielen Songs genau jene Ecken, Kanten und rohe Energie, die bei einem solchen Projekt eigentlich explodieren müssten.
Man merkt förmlich, dass hier versucht wurde, möglichst viele Hörerschichten gleichzeitig abzuholen. Das Resultat klingt oft beeindruckend – aber selten wirklich gefährlich.
Und genau das ist schade.
Denn wenn man sich anschaut, welche Musiker hier beteiligt sind, weiß man sofort, zu was diese Leute eigentlich fähig wären. Viele der Gäste stammen aus komplett unterschiedlichen musikalischen Welten – Hard Rock, Classic Metal, Progressive Rock, Heavy Metal, Thrash und sogar psychedelische Einflüsse treffen aufeinander.
Gerade deshalb hätte man die Songs noch stärker auf die individuellen Stärken der jeweiligen Musiker zuschneiden müssen.
Ein Ronnie Romero darf ruhig dreckiger klingen.
Ein Sebastian Bach braucht mehr Wahnsinn und Biss.
Ein Marty Friedman könnte viel experimenteller explodieren.
Und ein Tim „Ripper“ Owens verträgt deutlich mehr Aggression als ihm hier teilweise zugestanden wird.
Die Substanz ist vorhanden. Das Talent sowieso. Aber oft bleibt das Album zu kontrolliert, zu geschniegelt, zu vorsichtig.
Vielleicht jammere ich hier tatsächlich auf sehr hohem Niveau – aber genau dieses Line-Up setzt eben automatisch unfassbar hohe Maßstäbe.
Songs wie „Devil Won’t Let Go“, „Dice And Thunder“ oder der Titeltrack „Electric Burn“ zeigen immer wieder, welches Potenzial tatsächlich in diesem Projekt steckt. Auch „Look At Yourself“ mit Sebastian Bach besitzt starke Momente und jede Menge Classic-Heavy-Metal-Flair.
Dennoch fehlt über die komplette Spielzeit hinweg dieser eine magische Moment, bei dem man völlig sprachlos zurückbleibt.
Und genau das hätte bei diesem Aufgebot eigentlich passieren müssen.
Fazit
„BLACK FLAME“ ist ein starkes Album mit hochklassigen Musikern, tollen Einzelmomenten und beeindruckender technischer Klasse. Aber gleichzeitig bleibt das Gefühl zurück, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre.
Zu geschniegelt.
Zu kontrolliert.
Zu wenig Risiko.
Trotzdem: Für Fans hochwertiger Hard-Rock- und Metal-Allstar-Projekte bleibt dieses Album absolut hörenswert.
Wertung: 8.0 / 10
Band:
Nuclear Messiah
Album:
BLACK FLAME
Genre:
Hard Rock / Metal
Release Date:
24.04.2026
Label:
Cleopatra Records
Tracklisting:
- The Prophet Of Fallout feat. Chris Poland & William Shatner
- Devil Won’t Let Go feat. Chris Poland, Ronnie Romero, Vinnie Moore, Vinny Appice, Don Airey, Steve Di Giorgio
- Death Or Glory feat. Chris Poland, Thor, Bob Daisley, Glen Drover, Fred Aching
- Ride The Sky feat. Chris Poland, Arthur Brown, Vinny Appice, Alan Davey
- Dice And Thunder feat. Chris Poland, Rick Wakeman, Ronnie Romero, Bumblefoot, Steve Di Giorgio, Fred Aching
- For Mad Men Only feat. Chris Poland, Pat Travers, Joe Lynn Turner, Alan Davey, Shawn Drover
- Nuclear Messiah feat. Chris Poland, Lance Lopez, Greg Walker, Tim “Ripper” Owens, Vinny Appice, Don Airey
- Look At Yourself feat. Chris Poland, Sebastian Bach, Derek Sherinian, Bob Daisley, Mick Box, Carmine Appice
- She’s So Evil feat. Chris Poland, Joel Hoekstra, David Ellefson, Don Airey, Andrew Freeman, Simon Wright
- Black Flame feat. Chris Poland, Ronnie Romero, Jonathan Cain, Phil Soussan, Glen Drover, Chris Adler
- Electric Burn feat. Chris Poland, Marty Friedman, Joe Bouchard, Marc Lopes, Chris Adler