Ruhrpott-Power-Metal mit Thrash-Biss und klarer Abrisskante
Wenn aus dem Ruhrgebiet Power Metal kommt, darf er ruhig nach Stahl, Brachailität und angeschärften Riffs klingen. Ignition haben sich seit ihrer Anfangsphase konsequent von der reinen Traditionspflege wegbewegt und stehen 2026 mit „All Will Die“ an einem Punkt, an dem klassischer US-Power-Metal, moderne Thrash-DNA und europäische Hymnenkraft sauber ineinandergreifen. Das vierte Studioalbum erscheint über Daredevil Records und zeigt eine Band, die ihre Stärken kennt: starke Riffs, einprägsame Refrains, klare Kanten und genug Druck, um nicht im üblichen Melodic-Metal-Komfort zu landen.
Albumstream: Ignition – All Will Die
https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mMv7Q5d81xNRHHa_zNIa_VhZLYiHGv6jg
Zwischen US-Power-Metal und modernem Thrash
„All Will Die“ ist kein Album, das lange um Erlaubnis fragt. Schon der Titel klingt nach Endzeit, und musikalisch setzen Ignition genau dort an: Riffs mit Druck, Chöre mit Live-Potenzial, ein Sänger mit klarer Kante und eine Rhythmusgruppe, die nicht nur begleitet, sondern vorantreibt. Die Einflüsse reichen hörbar von klassischem US-Power-Metal bis zu thrashig angeschärftem Heavy Metal, werden aber nicht bloß kopiert.
Das Entscheidende: Ignition klingen nicht wie eine Band, die alten Helden zu emulieren versucht. Der Sound ist geradlinig, druckvoll und deutlich zeitgemäßer als bei vielen Formationen, die sich im Power-Metal-Sektor ausschließlich auf Pathos verlassen. Hier stehen die Songs auf einem standfesten Grundbau aus Bass, Gitarren und Schlagzeug, während die Melodien darüber nicht klebrig, sondern schneidig bleiben.
Der Titeltrack setzt die Marschrichtung
Der Opener „All Will Die“ macht direkt klar, dass die Band ihr Material nicht weichspült. Die Gitarren setzen kantig ein, der Rhythmus drückt nach vorne, und Dennis Marschallik steht sofort mit kraftvoller, leicht rauer Stimme im Mittelpunkt. Er singt nicht ornamental über die Songs hinweg, sondern zieht sie nach vorne.
Der Titeltrack arbeitet mit einer düsteren Grundstimmung, ohne in platte Endzeit-Theatralik abzurutschen. Die Riffs bleiben griffig, die Drums setzen den nötigen Schub, und die Gangshouts sorgen für jene unmittelbare Energie, die live sehr gut funktionieren dürfte. Das ist Power Metal, aber keiner mit glänzendem Brustpanzer und poliertem Fantasy-Schwert, sondern eher mit hochgekrempelten Ärmeln.
Video: Ignition – All Will Die
https://www.youtube.com/watch?v=mu84H3kFHPI
„Amok“ und „Under The Reign Of A Psychopath“ ziehen an
Mit „Amok“ schieben Ignition das Tempo weiter nach oben. Der Song ist kompakt, bissig und wirkt wie ein klarer Tritt gegen die Bremse des klassischen Power-Metal-Komforts. Die Gitarren von Andreas Leyer und Sebastian Ernstarbeiten präzise, ohne steril zu klingen. Gerade diese Mischung aus sauberer Ausführung und rauem Druck gibt dem Song seinen Charakter.
„Under The Reign Of A Psychopath“ geht noch stärker in Richtung Thrash-Schärfe. Hier zeigt sich, dass Ignitionnicht nur hymnische Refrains schreiben können, sondern auch schwere Riffpakete stemmen. Torsten Feichtinger am Bass hält das Fundament stabil, während Dominik Erbach am Schlagzeug die Nummer mit kontrollierter Härte antreibt. Der Song besitzt Wucht, bleibt aber strukturiert genug, um nicht in reines Geballer zu kippen.
Melodie mit Widerhaken: „End Of The Night“
„End Of The Night“ ist einer der Songs, der am deutlichsten zeigt, warum Ignition im modernen Power-Metal-Feld auffallen. Die Nummer verbindet eine starke Melodieführung mit rhythmischem Druck und einem Refrain, der schnell sitzt, ohne nach Standardware zu klingen. Der Song zeigt ziemlich genau, wo die Band 2026 steht: hart genug für die Thrash-Fraktion, melodisch genug für klassische Power-Metal-Hörer.
Dennis Marschallik liefert hier eine der stärksten Gesangsleistungen des Albums. Er bleibt kraftvoll, aber nicht überzogen, und gibt dem Song eine klare Front. Die Gitarren setzen nicht nur Rhythmusarbeit, sondern auch melodische Konturen, während die Rhythmusgruppe das Stück fest in der Spur hält.
Video: Ignition – End Of The Night
https://www.youtube.com/watch?v=nFBfPorvLas
Der Mittelteil bleibt auf Zug
„The Decline“ bringt mehr hymnische Direktheit ins Spiel. Der Song lebt von einem starken Refrain, treibendem Aufbau und jener Mischung aus Trotz und Kampfgeist, die im Power Metal schnell pathetisch werden kann. Ignitionbleiben hier aber nah am Boden. Die Nummer besitzt Druck, Tempo und genug Eingängigkeit, um sich sofort festzusetzen.
Mit „In The Name Of God“ wird das Album thematisch schwerer. Der Song arbeitet mit religiöser Symbolik, Machtmissbrauch und Konflikt. Musikalisch setzen die Gitarren schärfere Akzente, während die Drums das Stück mit Nachdruck durch die Strophen schieben. Das wirkt nicht revolutionär, aber sehr effektiv. Genau in solchen Momenten merkt man, dass Ignition ihre Songs nicht unnötig aufblasen. Sie wissen, wann ein Riff reichen muss und wann ein Refrain zusätzlichen Raum braucht.
„Into The Abyss“ als heimlicher Höhepunkt
„Into The Abyss“ gehört zu den stärksten Stücken der Platte. Der Song besitzt Tiefe, Druck und eine dunklere Atmosphäre, ohne den melodischen Kern zu verlieren. Hier greifen alle Bandteile besonders gut ineinander: Die Gitarren bauen Spannung auf, der Bass gibt dem Material Gewicht, das Schlagzeug hält den Song beweglich, und der Gesang setzt sich mit Autorität darüber.
Gerade Torsten Feichtinger verdient in solchen Momenten Aufmerksamkeit. Sein Bassspiel ist nicht aufdringlich, aber enorm wichtig für die Wirkung der Songs. Es gibt dem Album jene Schwere, die verhindert, dass die hymnischen Passagen zu leicht werden. Dominik Erbach arbeitet dazu mit druckvoller, aber kontrollierter Schlagzeugarbeit. Er treibt die Songs, ohne sie zu zerlegen.
„This Rotten Core“ mit mehr Tiefe
„This Rotten Core“ nimmt eine etwas andere Farbe an. Der Song wirkt nachdenklicher, schmutziger und weniger unmittelbar als die offensichtlicheren Brecher. Gerade deshalb bleibt er hängen. Die Gitarren arbeiten hier nicht nur als Druckmaschine, sondern formen eine dunklere Atmosphäre. Dennis Marschallik nutzt diese Basis für eine variablere Gesangsleistung, die nicht nur Kraft, sondern auch Ausdruck besitzt.
Die Nummer zeigt, dass Ignition nicht ausschließlich über Tempo funktionieren. Sie können auch dann überzeugen, wenn sie den Song stärker über Stimmung und Aufbau tragen lassen. Das tut dem Album gut, weil es nach mehreren energiegeladenen Tracks eine zusätzliche Schicht einzieht.
Video: Ignition – This Rotten Core
https://www.youtube.com/watch?v=6roZXNwuwj0
Späte Stärke mit „In The Silence“ und „The Ending Calls“
„In The Silence“ setzt stärker auf Atmosphäre und Spannung. Der Song nimmt nicht komplett den Fuß vom Gas, wirkt aber kontrollierter und etwas düsterer. Hier zeigt sich erneut, dass Ignition auf „All Will Die“ mehr liefern als nur schnelle Riffs plus Mitsingrefrain. Die Band kann Songs wachsen lassen, ohne den Zugriff zu verlieren.
Mit „The Ending Calls“ kommt das Album zu einem passenden Abschluss. Der Song bündelt noch einmal die zentralen Stärken der Platte: wuchtige Gitarren, starker Gesang, griffige Melodien und eine Rhythmusgruppe, die dem Material genug Schub gibt. Als Finale funktioniert die Nummer gut, weil sie nicht wie ein angehängter Rest wirkt, sondern das Album sauber abrundet.
Eine Band die ihr Handwerk eindeutig versteht
Der größte Trumpf von Ignition bleibt Dennis Marschallik. Seine Stimme besitzt Kraft, Wiedererkennungswert und genug Rauheit, um nicht im glattproduzierten Power-Metal-Einerlei zu verschwinden. Er kann hymnisch führen, aggressiver zupacken und auch in den dunkleren Momenten glaubwürdig bleiben.
Andreas Leyer und Sebastian Ernst liefern an den Gitarren eine starke Leistung. Ihre Riffs sind klar, druckvoll und oft näher am Thrash Metal als am klassischen Euro-Power-Metal. Gleichzeitig verlieren sie die melodische Seite nie aus dem Blick. Die Soli sitzen songdienlich, die Leads sind prägnant, und die Rhythmusarbeit bildet das Rückgrat des Albums.
Torsten Feichtinger am Bass hält die Songs zusammen und gibt ihnen Gewicht. Gerade weil „All Will Die“ häufig mit Chören, Doppelgitarren und wuchtiger Produktion arbeitet, braucht es diesen stabilen Unterbau. Dominik Erbacham Schlagzeug spielt kraftvoll, präzise und mit gutem Gespür für Dynamik. Er liefert Druck, ohne die Songs zu überladen.
Produktion und Sound
Aufgenommen wurde das Album im bandeigenen Don Phallus Studio, gemixt von Dennis Marschallik und gemastert von Dennis Koehne. Das Cover-Artwork stammt von Andrej Bartulovic. Das hört man dem Album in positiver Weise an: „All Will Die“ klingt kräftig, klar und modern, aber nicht klinisch.
Die Gitarren stehen präsent im Mix, der Bass bleibt stabil hörbar, die Drums haben Punch, und der Gesang sitzt genau dort, wo er bei dieser Art von Metal sitzen muss: vorne, aber nicht losgelöst von der Band. Besonders gelungen ist, dass die Produktion Härte zulässt, ohne die Melodien zu verschlucken.
Nicht ganz makellos, aber dennoch ein Dauerbrenner!
Ganz ohne Schwächen kommt „All Will Die“ nicht aus. Einige Refrains arbeiten sehr bewusst mit klassischen Power-Metal-Formeln, und nicht jede Nummer erreicht die Durchschlagskraft von „End Of The Night“, „Into The Abyss“oder „This Rotten Core“. Außerdem hätte man an zwei, drei Stellen noch etwas mehr Mut zu überraschenden Brüchen einbauen können.
Trotzdem ist das Jammern auf ordentlichem Niveau. Ignition liefern hier keinen halbgaren Genre-Aufguss, sondern ein Album mit Substanz, Druck und klarer Identität. Wer Power Metal nur in glatter Hochglanzform mag, dürfte kurz schlucken. Wer aber Melodie, Riffarbeit und Thrash-Zugriff zusammendenken kann, bekommt hier reichlich Futter.
Fazit
„All Will Die“ ist ein episches Power Metal Werk mit starkem Thrash Twist aus dem Ruhrgebiet, das Härte, Hymnik und moderne Produktion überzeugend zusammenbringt. Ignition klingen entschlossen, eingespielt und hungrig genug, um sich mit diesem vierten Album deutlich breiter ins Gespräch zu bringen.
Wertung
9 von 10 Punkte
Anspieltipps
End Of The Night
Into The Abyss
This Rotten Core
The Decline
All Will Die
Tracklist
01. All Will Die
02. Amok
03. Under The Reign Of A Psychopath
04. End Of The Night
05. The Decline
06. In The Name Of God
07. Into The Abyss
08. This Rotten Core
09. In The Silence
10. The Ending Calls
Credits
Dennis Marschallik – Vocals
Andreas Leyer – Gitarre
Sebastian Ernst – Gitarre
Torsten Feichtinger – Bass
Dominik Erbach – Drums
Links
Ignition – Offizielle Webseite:
https://www.ignitionmetal.com
Ignition bei Facebook:
https://www.facebook.com/Ignitionmetalmusic
Ignition bei Instagram:
https://www.instagram.com/ignitionmetalmusic/
All Will Die bei Spotify:
https://open.spotify.com/album/5IJwl6XjkYN3jpYQwEmJhW
All Will Die bei Bandcamp / Daredevil Records:
https://daredevilrecords.bandcamp.com/album/ignition-all-will-die
