Es war einer dieser Momente, mit denen wohl nur noch wenige gerechnet hatten: Ritchie Blackmore stand am 12. August 2026 erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten wieder gemeinsam mit DEEP PURPLE auf einer Bühne. Beim Konzert im Northwell at Jones Beach Theater in Wantagh, New York, griff der mittlerweile 81-jährige Gitarrist für den Klassiker „Smoke On The Water“ noch einmal zur Stratocaster.
Jetzt hat Blackmore gegenüber dem Magazin Guitar Player über die außergewöhnliche Reunion gesprochen – und deutlich gemacht, dass es an diesem Abend um weit mehr ging als um perfekte Gitarrentöne.
„Ich war dort, um alte Freunde zu sehen“
Blackmore bezeichnete die Begegnung als bewegend. Da alles sehr schnell gegangen sei, habe er sich vor seinem Auftritt nicht richtig aufwärmen können. Doch darum sei es ihm ohnehin nicht gegangen.
Der Gitarrist erklärte, dass er nicht auf die Bühne gegangen sei, um technisch perfekte Noten zu spielen. Viel wichtiger sei für ihn das Wiedersehen mit alten Weggefährten gewesen. Angesichts ihres Alters sei allen Beteiligten bewusst gewesen, dass es möglicherweise eine der letzten Gelegenheiten für eine solche Begegnung sein könnte.
Blackmore hielt seinen Part deshalb bewusst einfach. Selbst als er während „Smoke On The Water“ kurz die Orientierung verlor, spielte das für ihn keine entscheidende Rolle.
Besonders bemerkenswert ist seine Aussage über das Verhältnis zu seinen ehemaligen Kollegen. Er sei gekommen, um mögliche alte Wunden zu heilen – habe dann jedoch festgestellt, dass es eigentlich keine Wunden mehr zu heilen gab.
Blackmore verglich das Wiedersehen sinngemäß mit ehemaligen Soldaten, die nach langer Zeit wieder zusammenkommen. Für ihn sei es ein ausgesprochen emotionaler Moment gewesen.
Ian Gillan begrüßt Blackmore zurück auf der Bühne
Auch Ian Gillan ließ keinen Zweifel daran, welche Bedeutung dieser Abend hatte. Nach „Smoke On The Water“ erklärte der Sänger dem Publikum, Blackmore habe sich wenige Tage zuvor gemeldet und gefragt, ob er für einen Song mitspielen könne.
Gillan bezeichnete es anschließend als großes Vergnügen, Blackmore wieder auf der Bühne begrüßen zu dürfen.
Am folgenden Tag schrieb Gillan ebenfalls über das Wiedersehen und betonte, Blackmores Auftritt habe vielen Menschen viel bedeutet – ihm selbst ausdrücklich eingeschlossen.
Auch der heutige DEEP-PURPLE-Gitarrist Simon McBride zeigte großen Respekt. Er veröffentlichte ein gemeinsames Backstage-Foto und bezeichnete es als große Freude, mit Blackmore die Bühne geteilt zu haben.
Blackmore hatte selbst den ersten Schritt gemacht
Die Reunion war keineswegs langfristig geplant. Blackmore hatte seine bevorstehende Gastperformance erst am 11. August gemeinsam mit seiner Frau Candice Night in einem Instagram-Livestream öffentlich gemacht.
Nach seinen Angaben hatte er Gillan kontaktiert und vorsichtig angefragt, ob er lediglich für eine Zugabe dazukommen könne – ohne Druck und im Grunde einfach um der alten Zeiten willen. Gillan gefiel die Idee, anschließend gab auch die restliche Band grünes Licht.
Damit wurde aus einer persönlichen Anfrage innerhalb kürzester Zeit ein Stück Rockgeschichte.
Gesundheitlich war der Auftritt eine Herausforderung
Dass Blackmore überhaupt auf der Bühne stehen konnte, war keineswegs selbstverständlich. Der Gitarrist sprach zuletzt offen über erhebliche gesundheitliche Probleme.
Unter anderem leidet er an Rückenproblemen mit mehreren Bandscheibenvorfällen sowie an Arthritis und Gicht. Ende 2025 hatte zudem eine schwere Schwindelattacke zur Absage von Auftritten geführt.
Unmittelbar vor dem DEEP-PURPLE-Gastspiel erhielt Blackmore nach eigener Aussage eine Injektion im Lendenwirbelbereich, die es ihm ermöglichen sollte, mit seiner Stratocaster längere Zeit im Stehen zu spielen. Für den Notfall stand außerdem ein Hocker bereit.
Umso bemerkenswerter war es, dass der 81-Jährige noch einmal gemeinsam mit seiner früheren Band auf die Bühne ging.
Mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Abschied
Blackmore gehört zu den Gründungsmitgliedern von DEEP PURPLE und prägte entscheidend den klassischen Sound der Band. Seine Gitarrenarbeit auf Songs wie „Highway Star“, „Burn“ oder eben „Smoke On The Water“ gehört zu den einflussreichsten Kapiteln der Hard-Rock-Geschichte.
1993 verließ Blackmore DEEP PURPLE endgültig. Danach reaktivierte er RAINBOW und veröffentlichte 1995 „Stranger In Us All“, bevor er sich später mit BLACKMORE’S NIGHT verstärkt Renaissance- und Folk-inspirierter Musik zuwandte.
Eine gemeinsame Performance mit DEEP PURPLE hatte es seit seinem Ausstieg nicht mehr gegeben.
Bis zum 12. August 2026.
Was an diesem Abend in Wantagh geschah, war deshalb keine gewöhnliche Gastperformance und auch keine Ankündigung einer dauerhaften Rückkehr. Es war vielmehr die unerwartete Versöhnung mit einem entscheidenden Kapitel gemeinsamer Vergangenheit.
Ritchie Blackmore und DEEP PURPLE noch einmal gemeinsam bei „Smoke On The Water“ – 33 Jahre nach seinem Abschied. Nicht Perfektion machte diesen Moment besonders, sondern die Tatsache, dass er überhaupt noch einmal möglich wurde.
Quelle: Guitar Player / Aussagen von Ritchie Blackmore, Ian Gillan und DEEP PURPLE



