KONZERTBERICHT VON REINHARD ARAND
Das wurde auch langsam Zeit: Rose Tattoo, die ich Anfang der Achtziger – nach dem Beat Club Konzert im Fernsehen – für mich entdeckt hatte, endlich einmal live und in Farbe zu genießen. Nachdem dann auch noch diese Tour unter dem Motto ONE LAST RIDE angekündigt wurde und Urgestein sowie Frontmann Angry Anderson in diesem Jahr seinen 78. Geburtstag feiert, war klar: Das muss sein!
Also am Freitagnachmittag nach getaner Arbeit Frauchen geschnappt und ab auf die Autobahn nach Leipzig – diesmal mit deutlich mehr Baustellen als erwartet.
Nachdem wir Velvet Rush, die als Support gebucht wurden, kurz auf YouTube gecheckt hatten, war eine frühe Anreise Pflicht. Das sah vielversprechend aus.
Die Parkbühne liegt mitten im Clara-Zetkin-Park und gehört für mich zu den schönsten Open-Air-Locations Deutschlands. Sie hat genau die richtige Größe, um die Bands auch ohne Fernglas noch perfekt erleben zu können.
Schon auf dem Weg zur Bühne war anhand der zahlreichen Bandshirts zu erkennen, dass der Großteil der Besucher aus echten Diehard-Fans bestand, die sich von ihren Helden verabschieden wollten. Entsprechend groß war der Andrang am Merchandise-Stand, an dem viele Artikel bereits vor Konzertbeginn ausverkauft waren.
Nach dem Konzert gab es bei Rose Tattoo eigens vorab signierte Poster, während Velvet Rush ihre Fans mit einem Meet and Greet inklusive Selfies und Autogrammen begeisterten.
Doch bevor die australischen Urgesteine die Bühne betraten, hatten die Hamburger Kickass-Rocker von Velvet Rush die ehrenvolle Aufgabe, das – wie meinereiner auch – etwas ältere Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.
Das gelang Frontfrau Sandra Lian und ihren Mitstreitern Dennis Henning, Tim Schwarz und Tom Zeschke mit Bravour.
Für uns war der Auftritt so überzeugend, dass gleich ein paar CDs und Vinylplatten der Band mit nach Hause mussten. Die CDs wurden nach dem Konzert sogar von der kompletten Band signiert – das nenne ich echte Fan-Nähe.
Velvet Rush überzeugten aber nicht nur musikalisch, sondern auch mit reichlich Action auf der Bühne und einer großartigen Kommunikation mit dem Publikum. Bereits beim Support war der Sound hervorragend.
Letztendlich waren die meisten Besucher natürlich gekommen, um sich gebührend von der australischen Legende Rose Tattoo zu verabschieden. Vom Opener Scarred For Life bis zur letzten Zugabe wurde die Band frenetisch gefeiert.
Leider ist Frontmann Angry Anderson inzwischen das letzte verbliebene Mitglied der klassischen Besetzung, die Anfang der Achtziger den Grundstein für den heutigen Legendenstatus der Band gelegt hat.
Mit teils kämpferischen, teils sehr emotionalen Ansagen führte Anderson durch ein Set voller Klassiker und bedankte sich mehrfach für die jahrzehntelange Treue und Loyalität der Fans.
Seine heutige Band präsentierte die Songs so, wie sie klingen müssen: druckvoll, knochentrocken und mit einem erstklassigen Sound.
Ob Bad Boy For Love, Butcher And Fast Eddie, Rock’n’Roll Is King, Suicide City oder natürlich Rock’n’Roll Outlaw – jeder einzelne Song wurde gnadenlos abgefeiert.
Den größten Mitgrölfaktor hatten natürlich die gegen Ende gespielten We Can’t Be Beaten und Nice Boys (Don’t Play Rock’n’Roll).
Als Zugaben folgten schließlich Hard Road und eine Volldampf-Version von Astra Wally, bevor die australische Nationalhymne Waltzing Matilda vom Band den Abend auf emotionale Weise beschloss.
Fazit:
Alles in allem war es ein würdiger Abschied und ein großartiges Konzert – noch dazu zu einem absolut fairen Ticketpreis. Ein Tourshirt und ein signiertes Poster von Rose Tattoo mussten natürlich ebenfalls mit nach Hause.
Ich kann jedem, der diese Band liebt, nur empfehlen, eines der noch anstehenden Europakonzerte mitzunehmen.
Livefotos von Rose Tatttoo von Luc Belleville plus Fotos von Velvet Rush von ihrer Seite)





















