Zakk Wylde kann nachvollziehen, warum Nikki Sixx derzeit keinen Sinn mehr darin sieht, komplette Studioalben aufzunehmen. Der BLACK LABEL SOCIETY Frontmann widerspricht dem MÖTLEY CRÜE Bassisten nicht grundsätzlich, schlägt jedoch einen Mittelweg vor: Songs weiterhin aufnehmen, sie aber nach und nach veröffentlichen.
Im Gespräch mit Scott Davidson von Chicagos „Rebel Radio“ erklärte Wylde, dass sich die Art, wie Musik veröffentlicht und konsumiert wird, grundlegend verändert habe. Früher sei eine Single der Vorbote eines Albums gewesen, danach folgte die komplette Platte und anschließend wurden weitere Singles ausgekoppelt. Heute funktioniere dieser Ablauf nicht mehr zwangsläufig so.
Als Beispiel erinnerte Wylde an Ozzy Osbournes „No More Tears“ von 1991. Die damalige Veröffentlichungspolitik sei mit der heutigen Streaming-Welt kaum noch vergleichbar. Trotzdem hält Wylde es für sinnvoll, mehrere Songs aufzunehmen. Entstehen beispielsweise zehn Stücke, könnten diese über einen längeren Zeitraum einzeln veröffentlicht werden.
Auslöser der Diskussion waren Aussagen von Nikki Sixx im August. Der MÖTLEY CRÜE Bassist erklärte, dass er für sich derzeit nicht mehr an das klassische Full-Length-Album glaube. Der enorme Arbeitsaufwand stehe seiner Ansicht nach zunehmend in einem Missverhältnis dazu, wie Musik heute konsumiert werde. Oft konzentriere sich die Aufmerksamkeit auf einzelne Songs, während ein großer Teil eines Albums kaum wahrgenommen werde.
Sixx favorisiert deshalb einen spontaneren Ansatz: Wenn eine starke Idee entsteht, soll daraus ein Song werden, der aufgenommen und gezielt veröffentlicht wird. MÖTLEY CRÜE haben seit „Saints Of Los Angeles“ von 2008 kein neues vollständiges Studioalbum mehr herausgebracht. 2024 folgte die EP „Cancelled“, die zugleich die erste Veröffentlichung mit Gitarrist John 5 war.
Wylde erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die enorme Veröffentlichungsgeschwindigkeit von BLACK SABBATH in den frühen 1970er-Jahren. Zwischen Februar 1970 und Juli 1975 erschienen sechs Studioalben: „Black Sabbath“, „Paranoid“, „Master Of Reality“, „Vol. 4“, „Sabbath Bloody Sabbath“ und „Sabotage“. Gleichzeitig war die Band regelmäßig auf Tour.