Gerade habe ich mir auf YouTube den Auftritt von Foreigner beim Sweden Rock Festival angesehen. Und ich muss ehrlich zugeben: Ich war nie der größte Fan von Kelly Hansen. Trotzdem hat er seinen Job über viele Jahre hervorragend gemacht und Foreigner würdig vertreten.
Nun steht mit Luis Maldonado ein neuer Sänger am Mikrofon. Und was soll ich sagen? Er macht seine Sache ebenfalls sehr gut. Seine Stimme erinnert teilweise erstaunlich stark an den jungen Lou Gramm. Das Konzert wirkt frisch, professionell und rockig. Die Band spielt hervorragend.
Und trotzdem lässt mich ein Gedanke nicht los.
Von jener Foreigner-Band, die mich in den 80er Jahren mit Meisterwerken wie „Double Vision“, „Head Games“, „4“ oder „Agent Provocateur“ begeistert hat, ist heute kein einziges Gründungsmitglied mehr auf der Bühne zu sehen.
Natürlich kenne ich das Argument: Die Songs gehören der Band, der Name gehört der Band, und die Musiker halten das Erbe am Leben. Das ist legitim.
Aber ist das noch Foreigner?
Oder ist es mittlerweile eher eine Marke, die von wechselnden Musikern weitergeführt wird?
Während ich darüber nachdachte, schlief ich tatsächlich kurz vor dem Fernseher ein. Wenig später wurde ich von einer vertrauten Stimme wieder geweckt. Auf YouTube lief ein Konzertmitschnitt von 2024, bei dem Lou Gramm gemeinsam mit Foreigner und einem Gospelchor „I Want To Know What Love Is“ sang.
Und plötzlich war dieses Gefühl wieder da.
Diese Stimme.
Dieses Charisma.
Dieser unverwechselbare Ton.
Selbst wenn Lou Gramm heute gesundheitlich nicht mehr der Sänger von einst ist und sichtbar von den Folgen seiner Tumoroperation gezeichnet wurde – genau diese Stimme war für mich immer das Herz und die Seele von Foreigner.
Das bedeutet keineswegs, dass die heutige Besetzung schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Die Musiker liefern eine starke Show ab und halten den Katalog einer der größten Rockbands aller Zeiten am Leben.
Aber ich frage mich dennoch:
Ab wann wird eine Band zu einer Marke?
Und ab wann wird eine Marke zu einer Coverband?
Wenn Foreigner morgen auf den Philippinen auftreten würden, würde ich wahrscheinlich sogar ein teures Ticket kaufen. Die Songs sind einfach zu groß, um sie nicht live erleben zu wollen.
Trotzdem würde ich gleichzeitig wissen, dass ich nicht die Foreigner sehe, die mich in den Achtzigern begeistert haben.
Und genau deshalb möchte ich eure Meinung hören.
Ist Foreigner für euch immer noch Foreigner – unabhängig davon, wer auf der Bühne steht?
Oder war Lou Gramm so prägend, dass ohne ihn nur noch der Name geblieben ist?
Ich bin gespannt auf eure Antworten.
Bitte versteht diesen Beitrag nicht als Kritik oder Bashing der aktuellen Besetzung. Es ist vielmehr eine ehrliche Frage eines langjährigen Rockfans, der sich fragt, wo die Grenze zwischen Band, Marke und Coverband verläuft.
Frage an die Community:
Würdet ihr heute noch ein Ticket für Foreigner kaufen? Und ist Foreigner für euch immer noch Foreigner – oder mittlerweile eher eine erstklassige Coverband ihrer selbst?
