Es gibt Alben, auf denen Bands versuchen, sich neu zu erfinden. Und es gibt Alben, auf denen eine Band genau weiß, wer sie ist. „Dear God“, das fünfte Studioalbum von The Pretty Reckless, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Taylor Momsen und ihre Mitstreiter müssen niemandem mehr beweisen, dass sie zu den wichtigsten modernen Rockbands der letzten Jahre gehören. Statt Trends hinterherzulaufen, konzentriert sich die Band auf ihre größten Stärken: kraftvolle Songs, ehrliche Emotionen und eine Produktion, die jedem Titel genügend Raum zum Atmen gibt.
Bereits der Opener macht deutlich, dass „Dear God“ kein gewöhnliches Hardrock-Album werden möchte. Die Songs greifen ineinander und bilden eine geschlossene musikalische Reise, die sich mit Themen wie Selbstfindung, Vergänglichkeit, Hoffnung und inneren Dämonen beschäftigt.
TAYLOR MOMSEN IN HÖCHSTFORM
Das Herzstück des Albums bleibt ohne Zweifel Taylor Momsen.
Ihre Stimme gehörte schon immer zu den markantesten des modernen Rock, doch auf „Dear God“ zeigt sie vielleicht ihre bislang stärkste Leistung. Mal zerbrechlich und verletzlich, dann wieder aggressiv, kraftvoll und voller Leidenschaft – Momsen beherrscht jede Facette ihres Gesangs mit beeindruckender Leichtigkeit.
Besonders „For I Am Death“ entwickelt sich zu einem echten Highlight. Düster, dramatisch und intensiv entfaltet sich der Song zu einer der stärksten Gesangsleistungen ihrer Karriere.
Ebenso überzeugend präsentiert sich „Spell On You“, während „About You“ die rauere Seite der Sängerin zeigt. Ganz andere Töne schlägt dagegen „Rollercoaster Of Life“ an, das mit seinem lockeren Groove beinahe an den klassischen amerikanischen Rock der Siebziger erinnert.
VIELSEITIG OHNE DEN ROTEN FADEN ZU VERLIEREN
Was dieses Album besonders macht, ist seine Vielseitigkeit.
Ob Folk, Blues, Psychedelic Rock oder klassischer Hard Rock – The Pretty Reckless wechseln mühelos zwischen verschiedenen Stilrichtungen, ohne dabei ihre Identität zu verlieren.
Die immer wieder eingestreuten „Life Evermore“-Interludes verbinden die einzelnen Kapitel zu einem zusammenhängenden Gesamtkonzept und verleihen dem Album einen fast cineastischen Charakter.
Mit „Dragonfire“ liefert die Band einen der spannendsten Songs des Albums. Was zunächst als ruhige Akustiknummer beginnt, entwickelt sich Stück für Stück zu einer atmosphärischen Rock-Hymne.
Auch der Titeltrack „Dear God“ gehört zu den absoluten Höhepunkten. Die Mischung aus emotionalem Gesang, eindringlicher Atmosphäre und einem gewaltigen Refrain sorgt für einen Gänsehautmoment.
STARKES SONGWRITING UND HERVORRAGENDE MUSIKER
Gitarrist Ben Phillips beweist erneut, warum er zu den unterschätztesten Gitarristen der modernen Rockszene gehört. Seine Gitarrenarbeit bewegt sich souverän zwischen Blues, klassischem Hard Rock und modernen Alternative-Einflüssen.
Auch Bassist Mark Damon und Schlagzeuger Jamie Perkins liefern eine beeindruckende Leistung ab und sorgen dafür, dass jeder Song genau die Dynamik erhält, die er benötigt.
FAZIT
Mit „Dear God“ liefern The Pretty Reckless ihr bislang geschlossenstes und emotional stärkstes Album ab.
Es ist kein Werk, das auf schnelle Hits oder Radiofreundlichkeit setzt. Stattdessen wächst es mit jedem Durchlauf und offenbart immer neue Facetten.
Taylor Momsen beweist einmal mehr, warum sie zu den besten Rocksängerinnen ihrer Generation gehört, während die Band musikalisch so geschlossen und selbstbewusst auftritt wie nie zuvor.
„Dear God“ verbindet Härte mit Gefühl, große Melodien mit ehrlichen Texten und klassische Rockelemente mit modernen Einflüssen.
Für mich gehört dieses Album schon jetzt zu den stärksten Rockveröffentlichungen des Jahres 2026.
Bewertung: 9,5/10
