Halle 622, Zürich-Oerlikon – 15. Juni 2026
Text: Ivy Wolfisberg
Man hätte die Uhr danach stellen können: Punkt 21:00 Uhr betraten Dave Mustaine und seine Mitstreiter die Bühne der Halle 622 in Zürich. Und fast auf die Minute genau 90 Minuten später war die wohl letzte Megadeth-Show in Zürich Geschichte.
Kurz vor Konzertbeginn konnten die Veranstalter das begehrte „Sold Out“-Schild anbringen – ein schöner Erfolg für eine Band, die mittlerweile auf 43 Jahre Geschichte zurückblickt. Gegründet wurde Megadeth bekanntlich 1983 von Dave Mustaine, nachdem er zuvor Metallica verlassen hatte.
Das Timing dieser Tour hätte kaum besser sein können. Megadeth reisen mit ihrem aktuellen Album durch Europa, das kurzzeitig bis auf Platz eins der US-Albumcharts kletterte. Das neue Werk und die dazugehörige Tour bescheren der Band noch einmal den verdienten Erfolg und zeigen eindrucksvoll, welchen Stellenwert Megadeth bis heute in der Metalwelt besitzen.
Auch das Zürcher Publikum zeigte sich von Beginn an in bester Stimmung. Megadeth-Sprechchöre, lautes Mitsingen und begeisterter Applaus begleiteten die Band durch den gesamten Abend.
Natürlich war Dave Mustaine nie ein klassischer Sänger. Doch seine markante Stimme gehört seit Jahrzehnten untrennbar zu den Songs von Megadeth. Vor allem die einzigartige Mischung aus komplexen Rhythmen, messerscharfen Riffs und technisch anspruchsvollen Gitarrenharmonien macht den Sound der Band bis heute unverwechselbar.
Ein Paradebeispiel dafür ist „Hangar 18“ vom legendären Album Rust In Peace. Was Mustaine und Leadgitarrist Teemu Mäntyssari hier auf ihren Instrumenten abliefern, gehört nach wie vor zur Königsklasse des Thrash Metal. Eine interessante Randnotiz: Als Rust In Peace 1990 veröffentlicht wurde, war Teemu Mäntyssari gerade einmal drei Jahre alt.
Auch das aktuelle Album war mit mehreren Songs in der Setlist vertreten. Bereits zu Beginn sorgte „Tipping Point“ für ordentlich Druck. Später folgten unter anderem „I Don’t Care“ sowie das gefeierte „Let There Be Shred“, die sich nahtlos in das Set einfügten.
Für das nötige Fundament sorgte die starke Rhythmussektion um Schlagzeuger Dirk Verbeuren und Bassist James LoMenzo, der vielen Fans unter anderem durch White Lion und Black Label Society bekannt sein dürfte. Gemeinsam lieferten sie den massiven Druck, der die Songs förmlich durch die Halle trug.
Natürlich durfte auch das klassische Material nicht fehlen. Mit „Sweating Bullets“, „Countdown To Extinction“ und dem nach wie vor erschreckend aktuellen „Peace Sells“ erreichte die Stimmung im zweiten Teil des Konzerts ihren Höhepunkt.
Als Zugaben feuerten Megadeth schließlich noch zwei ihrer größten Klassiker auf die Fans ab: „Symphony Of Destruction“ und das überragende „Holy Wars… The Punishment Due“.
Und dann war Schluss. Nach exakt 90 Minuten endete ein Konzert, das die Fans mit einem breiten Grinsen nach Hause schickte.
Das Konzert war zweifellos „mega“. Kleine Abzüge gab es lediglich für den Gesang von Dave Mustaine, der stellenweise etwas leise wirkte und nicht mehr jede Note perfekt traf. Zudem nahmen einige längere Pausen zwischen den Songs etwas den Fluss aus der Show.
Dennoch bleibt am Ende das Fazit eines sehr starken Auftritts einer Band, die über vier Jahrzehnte Metalgeschichte geschrieben hat und sich in Zürich mit einer überzeugenden Leistung verabschiedete.
