Z7 Openair, Pratteln
4. August 2026
TEXT & FOTOS: IVY WOLFISBERG
«Ech wär gern nomol jung, ond wär’s nur för ei schwachi Stund», singt die Berner Rockband SPAN in ihrem Lied «Jung». Ja, das wär’s, unbeschwert an ein Konzert zu gehen wie früher und die Musik zu hören, die wir im damals in unseren späten Teenager-Jahren abgefeiert hatten. Nun ja, im Z7 waren an diesem Dienstagabend grad zwei Bands angesagt, die natürlich vom Dienstalter her ja auch schon in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts im letzten Jahrtausend spielten. Und deren Lieder in unseren Lokalen abgespielt wurden. Also, «let’s get the Teenie-Feeling back».
Ja, und weil ja das Wetter scheinbar schön war, sind wir dann auch mit dem offenen Cabriolet in Richtung Pratteln gefahren. Mitten auf der Autobahn in Richtung Aarau musste es ja so kommen, dass wir ausgerechnet in der hiesigen Dürreperiode in einen Platzregen mit offenem Cabriodach fuhren. Holderio! Aber, liebe «mich-nun-Auslacher», das Lachen bleibt euch im Hals stecken, denn bei Tempo 100 auf dem Autobahnzubringer hatten die Tropfen zu wenig Zeit, ihr Zielvisier auf das Wageninnere zu stellen und flogen daher über den Zweiplätzer hinweg und wir später aus dem Platzregen raus, trocken und mit der Erfahrung reicher, dass das Tempo eines Tropfens von oben mit dem Tempo auf der Waagrechten eines Autos ausgespielt werden kann. Ja, Physik ist toll!
Wir sind etwa zum gleichen Augenblick im Konzertareal in Pratteln angekommen, wie die erste Vorgruppe FIREBORN auf die Bühne kam. Da der Hunger nach Essen just in diesem Zeitpunk etwas grösser war als der Hunger nach Musik, musste zuerst eine Bratwurst, eine Brotscheibe und ein Kaltgetränk von den Gefässen in den Händen in den Magen umparkiert werden. Während dieser Zeit spielten FIREBORN ihr Programm ab. Welches halt für uns im Hintergrund ablief und wir auch nicht so voll mitbekamen, weil das eine oder andere «Hallo, wie geht’s?» zu verschiedenen netten Gesprächen führte. Ja, eine Band wie SAXON zieht auch viele Rockfans aus verschieden Regionen und Epochen an, was dann zu freudigen Wiedersehen führt. Dennoch, was wir nebenbei noch von FIREBORN hörten, tönte nicht schlecht.
Die erste Band, die wir gestern nun im Z7 Openair-Areal erlebten, war dann somit «GIRLSCHOOL, die ihr Set mit «Demolition Boys» begann. Gleich im Anschluss spielten sie dann den Song «C’mon Let’s Go». Jesses, meine Partnerin flippte dabei in ekstatischer Begeisterung aus, als sie realisierte, welcher Song grad gespielt wurde. Sie stammelte was von «oh, dieser Song ist von denen, mit 17, ich hab’s gesungen mit einer Band, wusste gar nicht, dass das von denen ist» … Also, der Eingangssatz meines Konzertberichtes ging somit für meinen Liebling schon in Erfüllung! Der punkige Hardrock der Ladies von GIRLSCHOOL gefiel sehr gut und war vom Sound sehr gut gemischt. Und was mir auffiel, das Konzert gestern war um einiges besser als der Gig vor mehr als einem Jahr im Volkshaus in Zürich, als GIRLSCHOOL auch für SAXON eröffneten. Meines Erachtens her hatte das Konzert gestern mehr Drive, Druck und die Band zeigte mehr Spielfreude als vor Jahresfrist. Die Band spielte mehr als ein Dutzend Songs aus ihrem Repertoire. Also, jedenfalls, mir gefiel es mir recht gut und somit war der Konzertabend auch für mich nun lanciert.
Jetzt war die Zeit bereit für den Headliner SAXON. Die Briten starteten gleich gehörig hart mit «Hell, Fire and Damnation» in ihr Set, natürlich unter lautem Applaus des sehr zahlreich erschienenen Publikums hier in Pratteln. Alleine schon der tolle Sound ehrte die Songs der Angelsachsen. Ausnahmsweise nahm ich meine Gehörschutzpfropfen aus den Ohren, um das ganze Soundprogramm von Saxon in anständiger Lautstärke durch meine Gehörgänge hallen zu lassen. So muss Heavy Metal tönen, laut aber nicht übersteuert und in einer Detailtreue, dass man jedes Instrument sehr gut aus der Musik raushören konnte. «Power and Glory» gab gleich danach das ungeschriebene Motto des Konzertabends bekannt. Stark, wie Biff Byford und seine Band ihr Konzert eröffneten. Der 75-jährige Frontmann ist der Kapitän des angelsächsischen Kreuzers und er führte zielgenau und gewissem Schalk durch die harte Heavy Metal-See hier in Pratteln. Bei Saxon verhält es sich gleich wie bei einem guten Wein, je älter, desto besser. Jedenfalls für mich mit der Saxon-Konzerterfahrung seit Mitte der Achziger Jahre.
«Madame Guillotine» überzeugte als toller Rhythmus-Heavy Rocker und geilem Ohrwurm-Refrain. Und es war schön zuzusehen, wie die Band mit einer schönen Spielfreude agierte. Biff Byfort amüsierte sich auch über den falsch positionierten Ventilator auf der Bühne und stoss ihn dann mit dem Mikroständer beiseite, so dass der Ventilator beinahe von der Bühne fiel. Biff’s Stimme war an diesem Abend sehr kraftvoll und das über die gesamte Spieldauer von fast zwei Stunden.
Die Wucht des Saxon-Sounds sorgte wohl auch dafür, dass der Regen nicht in dem Ausmass in Pratteln fiel, wie von «Bucheli’s Wetterteam» vorausgesagt oder besser gesagt, wie die Prognose im Niederschlagsradar anzeigte. Doch der leicht einsetzende Regen sorgte dafür, dass die Kühler der Headbanger nicht überhitzten. Was dann Byford auch zum Statement verführte, hier in Pratteln hätten wir nun «Britisch Weather».
«Dallas 1 pm.», der Song über John F. Kennedy’s verfrühte irdische Abreise, war für mich quasi die «Tenniephase-Rückhol-Melodie». Ja, dieser Song war der allererste Saxon-Song, den ich in meinem Leben hörte und der mir bis heute immer die Erinnerungen an diese Zeit zurückholt. So, nun stand es 1:1 im Teenie-Match mit der Herzdame! Aber vor meiner mentalen Zeitreise wurden wir mit dem «Motorcycle Man» abgeholt und besuchten die «Broken Heroes». Diese Powerballade gehört für mich bis heute noch zu den Meisterwerken in Saxon’s Backkatalog. Und live ist dieser Song natürlich noch um eine Spur emotionaler. «Where are they now?…» wurde lautstark mitgesungen.
Nach dem schon erwähnten «Dallas»-Song liessen SAXON noch sechs weitere Klassiker vom Stapel, die überschwänglich vom Publikum gefeiert wurden. «Strong Arm of the Law» eröffneten das letze halbe Dutzend, wo unter anderem auch «Crusaders» gespielt wurde. Das Konzert dann noch mit «747 (Strangers In The Nigh)» und «Princess of the Night» beendet. SAXON entschieden sich, nicht von der Bühne zu gehen sondern integrierten die Zugabensongs gleich in den Hauptset. Am Ende stand der Liederzähler bei 17 Songs, was für eine ansprechende Spieldauer sorgte. Leider konnte ich in Pratteln «Solid Ball of Rock» nicht hören, dieser Song fand den Weg nicht in die Setliste des Abends. Aber mit «Princess Of The Night» wurde das Konzert standesgemäss beendet.
Ja, und danach fuhren meine Prinzessin der Nacht und ich zufrieden nach Hause. Unsere mentale und musikalische Zeitreise war ein Volltreffer und liess uns für etwa zwei Stunden mal wieder kurz 17 sein, «jung für zwei starchi Stunde». Meine Luftgitarre war zwar etwas «verstimmt» und der Nacken zeigte gewisse Abnützungserscheinungen, aber hey, alleine das Erlebnis, nochmals die Songs zu hören, die man früher in den Bars der «Pöstli’s», «Rössli’s», «Wyntäli’s» oder im «Rodeo» abfeierte, war jede kommende Spätfolge wert! Und wichtig für mich war, dass nun mein Herzkäfer auch noch diese Konzert-Pendenz in ihrer Liste abhaken konnte. Es war wirklich ihr allererstes Saxon-Konzert! «Die gömmer aber de weder gho luege», sagte sie mir nicht nur einmal an diesem Abend










