Tygers of Pan Tang Spellbound album cover shows a tiger walking across a jagged cliff ledge against a full yellow moon on a vivid blue sky. The cliffs form stylized human profiles below.
Spellbound – NWOBHM in Reinkultur. Wild, hungrig und voller britischer Stahlkraft.
Es gibt Alben, die nicht einfach nur dein Ohr erobern, sondern dich mitten ins Herz treffen.
Spellbound war für mich genau so ein Fall.
1981 – mitten in der heißen Phase der sogenannten New Wave of British Heavy Metal – schleuderten Tygers of Pan Tang dieses Meisterwerk auf die Welt los. Und ich war sofort gefesselt.
Kein unnötiger Schnickschnack. Keine Kompromisse. Kein kommerzielles Weichspülprogramm.
Nur Heavy Metal in Reinkultur.
Damals hatte ich das Album natürlich als Vinyl-LP. Und wie so viele meiner Lieblingsplatten lief auch diese Scheibe bis zur absoluten Schmerzgrenze meiner Anlage. Jahre später musste dann zusätzlich noch die CD-Version ins Haus – allein schon wegen der fetten Bonus-Tracks, die dieses Album endgültig zum Pflichtkauf für jeden NWOBHM-Fan machten.
Doch was dieses Album für mich noch besonderer machte, passierte viele Jahre später.
Ich hatte das große Vergnügen, Robb Weir, den sympathischen Gitarristen und Mitbegründer der Band, persönlich in meiner Metalheads Forever Rockcast Show zu interviewen.
Und genau DAS sind diese magischen Momente, warum ich Rock und Metal bis heute liebe.
Man sitzt plötzlich nicht mehr nur vor einem Albumcover oder einer alten Vinylplatte, sondern direkt einem Musiker gegenüber, dessen Songs einen über Jahrzehnte begleitet haben.
Ich konnte Robb persönlich sagen, wie sehr mich Spellbound damals geflasht hat – und ehrlich gesagt bis heute flasht.
Und man merkte sofort:
Der Mann lebt diesen Spirit noch immer.
Genau solche Begegnungen machen den wahren Geist des Heavy Metal aus.
Veröffentlicht wurde das Album im April 1981 über MCA Records. Produziert wurde der Klassiker von Chris Tsangarides in den berühmten Morgan Studios in London.
Und schon die Besetzung ließ damals aufhorchen.
Jon Deverill übernahm erstmals den Gesang und brachte deutlich mehr Melodie und Ausdruck in den Sound der Band. Gleichzeitig stieg ein junger Gitarrist namens John Sykes ein.
Und genau hier beginnt die Magie dieses Albums.
Denn zusammen mit Robb Weir entstand plötzlich ein Gitarren-Duo, das voller Feuer, Hunger und Spielfreude steckte. Man hört förmlich, wie diese Band damals nach vorne wollte.
Die Rhythmusfraktion mit Rocky Laws am Bass und Brian Dick an den Drums sorgte zusätzlich dafür, dass das gesamte Album permanent unter Strom steht.
Und dann beginnt diese Platte mit einem absoluten Faustschlag.
„Gangland“.
Knallhartes Riffgewitter. Keine Vorwarnung. Keine Gefangenen.
Die Gitarren brennen sofort los und machen unmissverständlich klar, dass hier keine Softrock-Band am Werk ist. Genau dieser raue, hungrige NWOBHM-Sound macht den Song bis heute so großartig.
„Take It“ schiebt danach direkt die nächste Hymne hinterher. Eingängiger Refrain, messerscharfe Gitarrenläufe und diese typische Energie, die Anfang der Achtziger plötzlich ganz England erfasst hatte.
Dann folgt mit „Minotaur“ ein ultrakurzes Instrumentalstück, das wirkt wie das kurze Anziehen der Handbremse vor der nächsten Vollgasattacke.
Denn mit „Hellbound“ explodiert das Album erneut.
Aggressiv. Wild. Kompromisslos.
Für mich pure NWOBHM-DNA.
Und genau hier merkt man bereits, wie stark der Einfluss von John Sykes auf den Bandsound war. Seine Gitarrenarbeit klingt bereits nach dem späteren Superstar, der irgendwann bei Whitesnake und Thin Lizzy landen sollte.
Mit „Mirror“ wird es anschließend geheimnisvoller und düsterer. Ein Song voller Atmosphäre und feiner melodischer Linien, ohne dabei seine Härte zu verlieren.
„Silver and Gold“ besitzt dann diesen galoppierenden Rhythmus, der sofort hängen bleibt. Ohrwurmtauglich bis ins Mark, aber trotzdem heavy genug, um nie kitschig zu wirken.
„Blackjack“ erinnert stellenweise fast an frühen Judas Priest-Spirit. Schnell, treibend und voller Energie. Ein echter Metal-Stampfer.
Mit „The Story So Far“ zeigt die Band dann ihre melodische Seite, ohne den nötigen Biss zu verlieren. Genau diese Mischung machte Spellbound damals so stark.
„Tyger Bay“ bringt anschließend wieder pure Energie ins Spiel. Sofort mitsingbar, sofort im Ohr, sofort typisch Tygers.
Und dann folgt das Finale.
„Don’t Stop By“.
Eine emotionale Abrissbirne zum Abschluss. Kraftvoll, melodisch und genau der richtige Schlusspunkt für dieses Album.
Die spätere CD-Version legte dann mit Bonus-Tracks wie „All or Nothing“, „Don’t Give a Damn“, „Bad Times“, „It Ain’t Easy“ und „Don’t Take Nothing“ noch einmal ordentlich nach.
Roh. Direkt. Unverfälscht.
Ein wahres Fest für Fans und Sammler.
Was bleibt also am Ende?
Ganz einfach:
Spellbound ist nicht einfach nur ein Album.
Es ist ein Lehrbuch des klassischen Heavy Metal.
Die Kombination aus der Gitarrenmagie von John Sykes, der kraftvollen Stimme von Jon Deverill und dem Songwriting von Robb Weir machte dieses Werk zu einem unsterblichen Klassiker der NWOBHM.
Für mich war es Liebe auf den ersten Ton.
Und das persönliche Gespräch mit Robb Weir machte diese Platte endgültig zu einem ganz besonderen Kapitel meines eigenen musikalischen Lebens.
Ein Album aus einer Zeit, als Heavy Metal noch gefährlich, hungrig und absolut ehrlich klang.