KONZERTBERICHT: REINHARD ARAND
Da ich FOREIGNER wie viele andere Rockfans seit Ende der 70er Jahre sehr schätze und sich zahlreiche ihrer Songs längst zu zeitlosen Klassikern entwickelt haben, stand ein Konzert der Band eigentlich schon lange auf meiner persönlichen To-do-Liste. Mit dem hervorragenden Leipziger Konzert 2017 war dieses Kapitel für mich eigentlich abgeschlossen, zumal man bei FOREIGNER eine recht berechenbare Setlist ohne allzu große Überraschungen erwarten darf. Wie viele Classic-Rock-Legenden konzentriert sich die Band schließlich überwiegend auf ihre größten Hits.
Doch manchmal kommt es anders.
Ein guter Freund hatte kurzfristig eine Karte übrig, und die besondere Atmosphäre der Berliner Waldbühne macht Konzerte ohnehin immer zu etwas Besonderem. Neben der Loreley und dem Clara-Zetkin-Park in Leipzig gehört sie für mich zu den schönsten Open-Air-Locations überhaupt. Dass auch der angekündigte Regen ausblieb, trug zusätzlich zu einem rundum gelungenen Konzertabend bei.
ÜBERRASCHENDER SUPPORT AUS COSTA RICA
Für die erste Überraschung des Abends sorgten THE SAINT CECILIA aus Costa Rica.
Eine Band, deren Musik bislang ausschließlich digital über Spotify, YouTube oder Bandcamp erhältlich ist und die bislang weder CD- noch Vinylveröffentlichungen vorweisen kann. Die Musiker dürften zudem deutlich jünger gewesen sein als der Großteil des Publikums – mich eingeschlossen.
Mit ihrem Mix aus Classic Rock und Alternative Rock gelang es THE SAINT CECILIA jedoch sofort, die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Frontmann Stewart Heigold erwies sich dabei als hervorragender Entertainer und hielt die Stimmung während des gesamten Sets konstant hoch, auch wenn die Songs sicherlich nicht immer den üblichen Hörgewohnheiten des Publikums entsprachen.
Von dieser Band dürfte man in Zukunft noch einiges hören.
FOREIGNER ÜBERNEHMEN DIE BÜHNE
Nach der Umbaupause betraten FOREIGNER die Bühne und hatten die Zuschauer vom ersten Ton an auf ihrer Seite.
Besonders gespannt war ich auf Sänger Luis Maldonado. Beim letzten Konzert, das ich von FOREIGNER besucht hatte, stand noch Kelly Hansen am Mikrofon. Dementsprechend groß war die Neugier, wie sich Maldonado in seiner neuen Rolle als Frontmann schlagen würde. Die Meinungen im Internet reichen bekanntlich von Begeisterung bis Skepsis.
Nach diesem Abend kann ich nur sagen:
Luis Maldonado hat mich komplett überzeugt.
Was er gesanglich und auch als Entertainer ablieferte, gehört für mich zum Besten, was ich in vielen Jahren auf Rockkonzerten erlebt habe.
Ich habe FOREIGNER mit Kelly Hansen erlebt und kenne zahlreiche Live-Mitschnitte aus den Zeiten von Lou Gramm, dessen Gesangsleistungen die Messlatte naturgemäß sehr hoch gelegt haben. Doch Luis Maldonado erwies sich als mehr als würdiger Nachfolger und meisterte den anspruchsvollen Songkatalog mit beeindruckender Souveränität.
KLASSIKER MIT NEUEM LEBEN
Was die aktuelle Besetzung besonders auszeichnet, ist die Art und Weise, wie sie die Klassiker behandelt.
Gitarristen Bruce Watson und John Roth, Bassist Jeff Pilson, Schlagzeuger Chris Frazier sowie Keyboarder Michael Bluestein spielen die Songs nicht einfach nur nach. Sie zelebrieren sie.
Die bekannten Klassiker erhalten durch kleine Änderungen in den Arrangements, zusätzliche Feinheiten und gelegentliche Improvisationen neues Leben, ohne dabei ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Dadurch wirkten viele Songs sogar noch kraftvoller als auf den Studioaufnahmen, die die meisten Besucher vermutlich seit Jahrzehnten auswendig kennen.
HIT AUF HIT
Die Stimmung blieb während des gesamten Konzerts auf einem konstant hohen Niveau.
Dabei spielte es keine Rolle, ob die Band die gefühlvollen Balladen „Waiting For A Girl Like You“ und das spätere Zugaben-Highlight „I Want To Know What Love Is“ präsentierte oder mit Rockklassikern wie „Cold As Ice“, „Feels Like The First Time“, „Head Games“, „Juke Box Hero“ oder dem finalen Zugabensong „Hot Blooded“ für Begeisterung sorgte.
Jeder Song wurde vom Publikum entsprechend gefeiert.
Einen erheblichen Anteil daran hatte auch der hervorragende Sound. Druckvoll, transparent und glasklar – genau so, wie man es sich bei einem Konzert dieser Größenordnung wünscht. Selten habe ich in einer Open-Air-Arena einen derart ausgewogenen Klang erlebt. Ein großes Kompliment geht daher auch an das gesamte Soundteam.
MEHR ALS NUR EINE NOSTALGIESHOW
Immer wieder wird diskutiert, ob die heutigen FOREIGNER nicht lediglich eine sehr gute Coverband ihrer selbst seien.
Dabei wird häufig vergessen, dass es bei FOREIGNER schon immer in erster Linie um die Songs ging. Nicht um Skandale, nicht um große Showeffekte und auch nicht um einzelne Persönlichkeiten.
Seit dem Ende der 70er Jahre hat sich die Besetzung der Band mehrfach verändert. Nach dem dritten Album blieb letztlich nur Gründer und Hauptsongwriter Mick Jones als Konstante übrig. Originalsänger Lou Gramm gehört bereits seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr zur festen Besetzung.
Trotzdem bietet die heutige Formation die klassischen FOREIGNER-Songs in einer Qualität und Leidenschaft, die sich keineswegs hinter früheren Inkarnationen der Band verstecken muss. Für mich persönlich ist diese Besetzung mindestens gleichwertig, in manchen Bereichen sogar stärker als einige frühere Versionen der Band.
Wer heute ein FOREIGNER-Konzert besucht, weiß in der Regel genau, was ihn erwartet: Eine erstklassige Live-Interpretation eines der größten Songkataloge der Rockgeschichte.
Und genau das wurde an diesem Abend geliefert.
FAZIT
Die meisten Besucher dürften die Waldbühne hochzufrieden verlassen haben.
Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann die relativ kurze Spielzeit von rund 90 Minuten inklusive Zugaben sowie die mittlerweile fast schon obligatorisch hohen Preise für Catering und Merchandise.
Trotzdem durfte ein T-Shirt und ein Magnet den Heimweg mit antreten.
Unterm Strich präsentierten sich FOREIGNER in hervorragender Verfassung und bewiesen eindrucksvoll, warum ihre Songs auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch immer funktionieren.
Allen Fans dieser Musik kann ich nur empfehlen, die Gelegenheit zu nutzen und FOREIGNER noch einmal live zu erleben. Solange diese Band auf einem derart hohen Niveau performt, lohnt sich jeder Konzertbesuch.

FOREIGNER AT BERLIN’S WALDBÜHNE – A MASTERCLASS IN CLASSIC ROCK
As someone who has loved Foreigner since the late 1970s and considers many of their songs timeless classics, seeing the band live was always high on my concert bucket list. In fact, I thought I had already checked that box with their excellent Leipzig performance back in 2017. After all, Foreigner are one of those legendary bands whose setlists are usually built around the hits everybody expects to hear.
Then fate stepped in.
A good friend happened to have a spare ticket, and the unique atmosphere of Berlin’s Waldbühne is always reason enough to attend a concert. Alongside the Loreley and Leipzig’s Clara Zetkin Park, it remains one of my favorite open-air venues in Germany. Even the forecasted rain stayed away, contributing to a nearly perfect summer evening.
A SURPRISING OPENING ACT
The first surprise of the night came from Costa Rican rock band THE SAINT CECILIA.
Their music is currently only available digitally through Spotify, YouTube, and Bandcamp, with no CD or vinyl releases to their name. The band members were also considerably younger than most of the audience, myself included.
Yet from the very first song, they won over the sold-out crowd. Combining elements of classic rock and alternative rock, they delivered a confident and energetic performance. Frontman Stewart Heigold proved to be a natural entertainer, maintaining a strong connection with the audience throughout the entire set.
Even though their songs did not necessarily fit the typical listening habits of every attendee, the positive response never faded. This is a band that clearly has a bright future ahead of them.
FOREIGNER TAKE OVER
Following a short changeover, Foreigner stepped onto the stage and immediately had the audience on their side.
One of the biggest talking points before the show was the band’s current frontman, Luis Maldonado. The last time I saw Foreigner, Kelly Hansen was still handling vocal duties, so naturally I was curious to hear how Maldonado would perform in his new role.
The internet has been full of mixed opinions.
After witnessing this concert, I can only say one thing:
Luis Maldonado was absolutely outstanding.
His vocal performance and stage presence ranked among the finest I have experienced at a rock concert in many years.
Having seen the band with Kelly Hansen and owning numerous live recordings from the Lou Gramm era, I know just how high the bar has always been for Foreigner vocalists. Yet Maldonado proved himself more than capable of handling this demanding catalogue.
CLASSIC SONGS REIMAGINED
One of the strengths of the current lineup is that they do not simply reproduce the songs note for note.
Guitarists Bruce Watson and John Roth, bassist Jeff Pilson, drummer Chris Frazier and keyboard wizard Michael Bluestein treat these classics with genuine passion and creativity.
Subtle arrangement changes, tasteful improvisations and fresh musical nuances breathe new life into songs that most fans could probably sing in their sleep.
Rather than sounding like a nostalgia act, Foreigner sounded alive and inspired.
HIT AFTER HIT
The energy level remained high throughout the entire evening.
Whether it was emotional ballads such as „Waiting For A Girl Like You“ and the encore favorite „I Want To Know What Love Is“ or hard-rocking classics like „Cold As Ice,“ „Feels Like The First Time,“ „Head Games,“ „Juke Box Hero,“ and the closing encore „Hot Blooded,“ every song was met with enthusiasm.
The band delivered one powerful performance after another, and the audience responded accordingly.
Special praise must also go to the sound crew. The mix was powerful, clear and perfectly balanced—exactly what you hope for at an open-air concert of this size.
MORE THAN JUST NOSTALGIA
There are always discussions about whether today’s Foreigner is simply a very good tribute band to its own legacy.
In my opinion, that argument misses the point.
Foreigner has always been about the songs.
Not about scandals.
Not about elaborate stage productions.
Not about larger-than-life personalities.
Since the late 1970s, almost every position in the band has changed at some point, with founder and principal songwriter Mick Jones remaining the central figure throughout the band’s history. Lou Gramm himself has been absent from the full-time lineup for more than two decades.
Yet the current incarnation delivers these classic songs with such quality, professionalism and passion that comparisons to earlier lineups become almost irrelevant.
For me personally, this version of Foreigner stands proudly alongside any previous lineup.
FINAL THOUGHTS
Most people left the Waldbühne with smiles on their faces.
If there was one criticism, it would be the relatively short running time of approximately 90 minutes, including encores, and the rather expensive food, drinks and merchandise.
That said, a T-shirt and a magnet still found their way home with me.
Ultimately, Foreigner proved once again why these songs have survived for generations. The current lineup performs them with conviction, skill and genuine love for the music.
Anyone who loves the Foreigner catalogue should take every opportunity to experience these songs live while they still can.
Based on this performance, it is absolutely worth it.